Affäre um Sparda-Bank Münster weitet sich aus

Affäre um Sparda-Bank Münster weitet sich aus

Von Detlef Proges

  • Spesenskandal weitet sich offenbar aus
  • Opernbesuche und luxuriöse Parties
  • Justiz geht von 300 Einzeltaten aus

Die frühere Sparda-Bank Münster hat nach der Fusion mit der Sparda-Bank West in Düsseldorf ihren Namen geändert. Die neue, zusammengelegte Bank heißt seit Sommer 2018 Sparda-Bank West. Neuer Name, alter Skandal: Die Untreue-Affäre bleibt der Bank wohl noch lange erhalten.

Ermittlungen gegen ehemaligen Chef der Sparda-Bank Münster dauern an Lokalzeit Münsterland 31.01.2019 02:41 Min. Verfügbar bis 31.01.2020 WDR Von Detlef Proges

Ex-Vorstandschef weiter der Hauptbeschuldigte

Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam von der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld

Oberstaatsanwalt Rübsam vermutet 300 Einzeltaten

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank Münster, Enrico Kahl, könnte möglicherweise hundertfach Gelder seiner Bank veruntreut haben, so die Staatsanwaltschaft. Zuständig ist die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld. Sie ermittelt seit über drei Jahren in dem Fall. Und die Vorwürfe scheinen sich auszuweiten.

Auf WDR-Anfrage erklärte der Bielefelder Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam: "Im Hauptverfahren gehen wir im Moment von etwa 300 Einzeltaten aus, diesen Verdacht prüfen wir." Der Anwalt des Ex-Sparda-Vorstands, Ingo Minoggio hält diese Zahl für wenig aussagekräftig. Minoggio wörtlich: "Ich kann mit dieser Zahl 300 auch deshalb auch überhaupt nichts anfangen, weil (...) von 300 können es 290 völlig irrelevante Spesenbelege sein."

Noch keine Forderungen an Ex-Vorstandschef gestellt

Die Sparda Bank habe an ihren Ex-Vorstandsvorsitzenden Enrico Kahl gegenwärtig keine Rückforderung möglicher veruntreuter Gelder gestellt, betont sein Anwalt Minoggio. Der Anwalt kritisiert, "dass uns seitens der Polizei oder der Staatsanwaltschaft trotz mittlerweile einer Ermittlungsdauer von drei Jahren und vier Monaten bis heute keine mutmaßliche Gesamtschadenssumme mitgeteilt wurde, geschweige denn wir Gelegenheit haben, die Ermittlungen nachzuvollziehen und zu ihnen Stellung nehmen zu können."

Opernbesuche und Luxusparties

Der Grüne Hügel in Bayreuth

Auch Opernbesuche in Bayreuth sollen finanziert worden sein

Der Ex-Bankchef soll laut Staatsanwaltschaft jahrelang Geld der Bank für luxuriöse Privatparties, Opernbesuche in Bayreuth und viele andere Dinge ausgegeben haben. Geprüft wird auch der Verdacht, er habe sich Mitglieder des damaligen Aufsichtsrates mit Geschenken und Zuwendungen gefügig gemacht.

Aktuell 17 Beschuldigte

Die Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell gegen 17 Beschuldigte. Neben früheren Vorstandsmitgliedern der Bank stehen nach wie vor auch ehemalige Aufsichtsräte als Beschuldigte im Fokus der Untersuchungen.

Erste gemeinsame Bilanz

Am Donnerstag (31.01.2019) veröffentlichte die neue Sparda-Bank West zum ersten Mal ihre gemeinsame Bilanz nach der Fusion. Ihr neuer Vorstandsvorsitzende Manfred Stevermann wollte sich dabei aber zu Details des Spesenskandals wegen der noch laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht weiter äußern.

Stand: 31.01.2019, 19:05

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