Geiselnehmer in JVA Münster "offenbar verwirrt"

Eine Mann hebt eine Kamera und steht vor einem großen Gebäude und einem Polizeiauto

Geiselnehmer in JVA Münster "offenbar verwirrt"

Der bei einer Geiselnahme in der JVA Münster erschossene Täter war offenbar verwirrt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des NRW-Justizministeriums.

Der Rechtsausschuss des Landtags hat sich am Freitag in einer Sondersitzung mit der Geiselnahme in der JVA Münster beschäftigt. Auf Antrag der SPD-Fraktion hat Justizminister Biesenbach (CDU) die Vorgänge, bei denen der Geiselnehmer von der Polizei erschossen wurde, erläutert. Die SPD hat von der Landesregierung einen "lückenlosen Bericht" zum Tathergang gefordert.

Einsatz wohl vorschriftsmäßig

Den gab es bei der Sondersitzung noch nicht, da Staatsanwaltschaft und auch Polizei noch ermitteln. Aktuell gibt es aber auch keine Hinweise darauf, dass beim Einsatz der Polizei und den tödlichen Schüssen auf den Geiselnehmer nicht vorschriftsmäßig vorgegangen wurde.

Häftling hatte psychische Probleme

Nach Angaben der 29 Jahre alten JVA-Bediensteten, die als Geisel genommen worden war, habe der 40-Jährige zu ihr gesagt, er sei der Sohn der Jungfrau Maria und müsse - wie eine Figur in dem Film "Thor" - zu einem Feld an einem roten Haus in Spanien, um einen Hammer zu holen und mit diesem Hammer das Coronavirus zu besiegen.

In dem Bericht heißt es weiter, dass es sich bei der Waffe des Häftlings nicht wie zunächst angenommen um eine Rasierklinge gehandelt habe, "sondern um eine angespitzte und in diesem Bereich gehärtete Zahnbürste".

Polizei schoss "gezielt"

Der Bericht nennt auch Details zu den Schüssen, die Polizisten am vergangenen Freitag abfeuerten. Der Häftling habe die 29-Jährige mit der Waffe am Hals gezwungen, mit ihm auf Kräfte des Spezialeinsatzkommandos zuzugehen. Beamte hätten daraufhin ihre Schusswaffen "gezielt" eingesetzt. Der Täter erlag noch vor Ort seinen Verletzungen. Er wäre im November aus der Haft entlassen worden.

Zustand des Gefängnisses ist Thema

In der Sondersitzung des Landtags ging es auch um den baulichen Zustand des Gefängnisses in Münster und darum, ob dieser "die Geiselnahme begünstigt hat". Der Leiter der JVA Münster erläuterte vor dem Ausschuss, dass dies nicht der Fall gewesen sei.

Die Planungen für einen neuen Standort der JVA laufen. 2025 soll der Neubau im Osten Münsters bezugsfertig sein.

Stand: 23.10.2020, 15:09

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