Repair-Café Soest: Wegwerfen ist out

Repair Café

Repair-Café Soest: Wegwerfen ist out

Von Elfie Schader

  • Reparieren vermeidet Müll und spart Geld
  • Experten engagieren sich ehrenamtlich
  • Termin einmal im Monat in Soest überlaufen

Im Schieferhaus neben dem Soester Osthofentor herrscht dichtes Gedränge. Im Flur stehen Männer und Frauen dicht bepackt mit Gegenständen, die kaputt sind. Sie haben eine Nummer gezogen und warten auf ihren Aufruf. "Der Nächste, bitte!", schallt es aus dem Raum nebenan.

In der "Reparaturzentrale" sitzen vier Experten. Sie sind meist Techniker oder Ingenieure und freuen sich, defekte Gegenstände wieder in Schwung zu bringen. Manche sind Rentner, andere nehmen sich für die ehrenamtliche Hilfe extra frei. 

Das defekte Geschenk von den Kindern

Die Renner sind Nähmaschinen, Haushaltsgeräte, Leuchten, Uhren und Handys. Irmhild hat einen Weihnachtsmann unter dem Arm. Die Figur leuchtet nicht mehr. "Das Repair-Café ist meine Rettung", sagt sie. Das Geschenk ihrer Kinder soll zum nächsten Fest unbedingt wieder intakt sein. 

Operation mit Lötkolben

Für Reparateur Jörg Schmelzer kein Problem. Er rückt dem Weihnachtsmann mit dem Lötkolben zu Leibe und repariert die defekte LED-Leuchte mit wenigen Handgriffen. Irmhild strahlt und spendet ein paar Euro.

Repair Café

Irmhild ist glücklich

Am Tisch nebenan werkelt Horst Zwintzscher an einem Erbstück: Die antike Wanduhr ist 100 Jahre alt. Marianne und Michael haben sie ins Soester Repair-Café gebracht, weil die Zeiger defekt sind. Der Experte findet den Fehler, die Uhr funktioniert wieder.

Spenden fließen in Werkzeug und Hilfsprojekte

Repair Café

Der Hifi-Turm wird bald wieder funktionieren

An diesem Nachmittag gibt es viele Erfolgsmeldungen. Die Schneidemaschine von Jörg schneidet wieder, und aus dem 30-jährigen Hifi-Turm von Peres erklingt Musik. Die Besitzer strahlen und spenden meist zwischen fünf und zehn Euro. "Damit werden Werkzeuge angeschafft und lokale Hilfsprojekte unterstützt", sagt Werner Liedmann. Er ist einer der Initiatoren des Soester Repair-Cafés. 

Erstes Repair-Café in Amsterdam

Das erste Repair-Café entstand 2009 in Amsterdam. Deutschlandweit wurde das erste in Köln gegründet. Dort organisierte im April 2012 erstmals der Verein "Dingfabrik" ein Treffen für Gäste, die gemeinsam mit Helfern defekte Geräte reparierten.

Mittlerweile gibt es landesweit 230 ehrenamtliche Werkstätten. Und es werden immer mehr. Es wächst das Bewusstsein, dass man weniger wegwerfen sollte. Einer Studie nach sparen alle Repair-Cafés, weltweit fast 1.700, monatlich Hunderttausende Kilogramm CO2 ein. 

Verlorenes Reparaturwissen lebt wieder auf

Die Experten zeigen und erklären den Besitzern der kaputten Dinge ganz genau, wie es geht - so wie Jürgen mit der Brotschneidemaschine. Sein Fazit: "Wenn der Schalter nächstes Mal wieder hängt, kann ich das alleine."

Stand: 20.03.2019, 16:54