Prozess wegen Messerattacke an Soester Schule

Prozess wegen Messerattacke an Soester Schule 01:52 Min. Verfügbar bis 16.05.2020

Prozess wegen Messerattacke an Soester Schule

Von Michael Dittrich

  • Mutmaßlicher Täter damals 16 Jahre alt
  • Prozessbeginn zwei Jahre nach der Tat
  • Wahrscheinlich bedingt schuldfähig

Februar 2017: Im Aldegrever-Gymnasium hat gerade die erste große Pause begonnen. Vor dem Kiosk tummeln sich viele Schüler. Plötzlich entsteht ein Streit zwischen zwei Schülern aus der Stufe 10. Aus der Rauferei wird in nur wenigen Sekunden versuchter Totschlag. Davon geht die Staatsanwaltschaft heute aus.

Die beiden Schüler hatten sich herumgeschubst. Der damals 16-Jährige beschuldigte den ein Jahr älteren Mitschüler, ihm seine Freundin auszuspannen. Plötzlich soll er ein Messer gezogen und dem älteren Jungen in die Brust gestoßen haben. 

Dank Hilfe von Mitschülern überlebt

 Er hatte eine Arterie getroffen. Umherstehende Schüler sahen das austretende Blut und drückten auf die Wunde. Durch eine Notoperation konnte der Schüler wenig später im Krankenhaus gerettet werden, sagen die Eltern des damals 17-Jährigen.

Mehrere Personen auf geteertem Hof vor Holz-Pavillon

Auf dem Schulhof des Aldegrever-Gymnasiums

Viele Schüler waren durch die Messerattacke geschockt. "Dass so etwas hier an unserer Schule im kleinen Soest passieren kann, habe ich nicht für möglich gehalten", sagt Schulleiter Martin Fischer dem WDR. "Wir erziehen die Kinder zu einem respektvollen Umgang untereinander." Viele Jugendliche wurden noch am Tattag psychologisch intensiv betreut. 

Zwei Gutachten über den Angeklagten

Fassade des Landgerichts Arnsberg

Landgericht Arnsberg

 Erst über zwei Jahre nach der Bluttat kommt es zum Prozess. Der Grund: Der Staatsanwalt ließ zwei Gutachten über den mutmaßlichen Täter erstellen. Es sollte herausgefunden werden, inwieweit der Schüler schuldfähig ist. Allerdings hat sich der Prozessbeginn allein deshalb erheblich verzögert, weil der zweite Gutachter aus Zeitmangel den Abschlussbericht erst im Herbst 2018 vorlegte.

Die Strafe kann bis zu zehn Jahre Jugendhaft betragen. Wahrscheinlicher aber sei wegen einer nur bedingten Schuldfähigkeit des Jungen eine deutlich geringere Strafe, meinen Prozessbeobachter.

Wegen Messerangriff auf Mitschüler vor Gericht

00:39 Min. Verfügbar bis 16.05.2020

Stand: 16.05.2019, 06:50