Siegenerin will Afghanen nach Deutschland holen

Verfügbar bis 20.01.2023

Siegenerin will Menschen aus Afghanistan retten

Stand: 20.01.2022, 10:29 Uhr

Tausende Afghanen warten auf ihre Evakuierung. Darunter auch Entwicklungshelfer eines Siegener Vereins. Sie leben in ständiger Angst vor den Taliban. Zohra Soori-Nurzad ist ihre Hoffnung.

Von Fritz Sprengart

Zohra Soori-Nurzad sitzt in Siegen vor ihrem PC. Sie versucht einen Videoanruf nach Kabul aufzubauen. Sie will wissen wie es den Frauen geht, die in den vergangenen Jahren in ihrem Hilfsprojekt mitgearbeitet haben. Doch der Anruf bricht ab.

Zohra Soori-Nurzad

Zohra Soori-Nurzad von "Stitching for School and Life" (SSL)

"Das Internet ist sehr schlecht in Afghanistan", sagt Soori-Nurzad. "Von einigen Frauen bekomme ich erst nach Monaten ein Signal, dass sie noch da sind."

Seit fünf Monaten zu Hause eingesperrt

Dann klappt es plötzlich doch. Auf dem Bildschirm erscheint eine verschleierte Frau. Ihr Name soll nicht genannt werden. Sie hat Angst vor den Taliban. Seit fünf Monaten versteckt sie sich zu Hause. So gehe es vielen Frauen, erzählt sie.

Videoanruf nach Kabul

Die Mitarbeiterinnen vor Ort haben Angst.

"Die Taliban haben gesagt, eine Frau, die alleine raus geht, ist wie eine Frau, die ihren Körper verkauft. Neulich musste mein Kind zum Arzt, da musste ich raus. Das war sehr beängstigend. Ich habe die Blicke der Leute gespürt. Man muss jederzeit damit rechnen, geschlagen oder gleich verhaftet zu werden."

Keine Antwort aus Berlin

Die Frau mit dem Schleier hat Frauen in Afghanistan koordiniert, die in einem Nähprojekt mitgearbeitet haben. "Deshalb bin ich jetzt besonders gefährdet", sagt sie.

Zohra Soori-Nurzad setzt sich beim Auswärtigen Amt dafür ein, dass ihre rund 100 Mitarbeiterinnen vor Ort nach Deutschalnd evakuiert werden. Bislang blieb das jedoch ohne Erfolg. "Ich habe noch nicht mal eine Antwort bekommen", sagt sie.