Virtuelle Rekonstruktion der Siegener Synagoge

04:16 Min. Verfügbar bis 09.11.2022

Gegen das Vergessen: Siegener Synagoge wieder sichtbar

Stand: 09.11.2021, 07:36 Uhr

Nach 83 Jahren war am Dienstagabend die Siegener Synagoge als Projektion erstmals wieder im Stadtbild zu sehen. Die Licht- und Klanginstallation soll an die Reichspogromnacht erinnern, in der 1400 Synagogen von den Nazis zerstört wurden.

Von Christian Albrecht und Elisabeth Konstantinidis

Wie Phönix aus der Asche: Die Siegener Synagoge wird genau dort an die Außenwand eines Bunkers projiziert, wo sie von 1904 bis 1938 stand. "Sie kehrt zurück nach Hause" sagt Allon Sander vom Projektträger, der Gesellschaft Christlich-Jüdischer Zusammenarbeit Siegerland.

Frau und Mann

Gabriela und Uwe von Seltmann

Eineinhalb Jahre lang haben Gabriela und Uwe von Seltmann, die Ideengeber, an dem internationalen Kunstprojekt gearbeitet: Mit Animationskünstlern, einem Sound-Designer, einem Filmregisseur und einer Sängerin.

 Deutschlandweit einzigartiges Projekt

Stein für Stein wurde die Synagoge im Computer nachgebaut, nach alten Plänen und Fotos. Die aufwändige 3D-Animation wurde mit alten Aufnahmen der Synagoge sowie mit jüdischen Gesängen aus Original- und Neuaufnahmen kombiniert.

Synagoge

3D-Rekonstruktion der Siegener Synagoge

Eine ähnliche multimediale Präsentation hatte das Ehepaar von Seltmann bereits von der Synagoge von Warschau 2018 als Projektion auferstehen lassen.

 Gelebte Versöhnung

Dabei treibt die beiden auch ihre eigene Vorgeschichte an: Bei Nachforschungen zu seiner Familiengeschichte lernt Uwe von Seltmann die Polin Gabriela in einem Café in Krakau kennen. Der Buchautor ist auf den Spuren seines Großvaters Lothar von Seltmann, der als SS-Mann den Aufstand im Warschauer Ghetto mitniederschlug.

Infotafel

Uwe von Seltmann neben einem Foto der brennenden Siegener Synagoge

Als Gabriela die Geschichte hört, sagt sie: Mein Großvater ist von den Nazis in Auschwitz ermordet worden. Sie kommen ins Gespräch, verlieben sich und heiraten, arbeiten gemeinsam ihre schmerzhafte Familiengeschichte auf. Und sie kommen zu dem Schluss: In der ersten Generation gab es Täter und Opfer – in den Generationen danach gibt es nur noch Opfer.

 Emotionen aktivieren

Mit Projekten wie der virtuellen Rekonstruktion der Siegener Synagoge arbeiten sie dafür, dass sich Geschichte nicht wiederholt. "Ich hoffe, dass wir mit Licht und dieser Art der Projektion Erinnerungen in der Siegener Bevölkerung bewegen können, die auch mit der Gegenwart verbunden sind", sagt Gabriela von Seltmann.

Uwe von Seltmann ergänzt: "In der Heimat, wo ich geboren und aufgewachsen bin möchte ich gerade diese Synagoge ein Stück weit ins Bewusstsein zurückzubringen, in die Stadt, in die Gesellschaft."

Unter diesem Link finden Sie die virtuelle Konstruktion der Siegener Synagoge.
Hier geht es zum Livestream (09.11.2021, 18:00 - 21:30).