Gewalttat in Siegen - Angeklagter schweigt

Prozess: Jugendliche überfallen 00:45 Min. Verfügbar bis 30.11.2019

Gewalttat in Siegen - Angeklagter schweigt

  • Anklage wegen sexueller Nötigung und schwerer Körperverletzung
  • Opfer und Zeuginnen identifizieren Angeklagten
  • 28-jähriger Beschuldigter bleibt vor Gericht stumm

In Siegen hat am Freitag (30.11.2018) der Prozess gegen einen 28-jährigen Mann aus Olpe begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sexuelle Nötigung und schwere Körperverletzung vor. Er soll im Juni eine 17-Jährige in der Nähe des Gerichts brutal zusammengeschlagen und beinahe vergewaltigt haben.

Angeklagter schweigt vor Gericht   

Das Besucherinteresse bei diesem Prozess war groß. Die Familie des Opfers und viele Freunde saßen mit im Gerichtssaal. Alle hofften darauf, dass der Angeklagte sich zu den Vorwürfen äußern würde. Das tat er aber nicht. Stattdessen musste das 17-jährige Opfer selbst aussagen.

Die junge Frau beschrieb, wie der Angeklagte sie in jener Nacht angesprochen habe, sie aber kein Gespräch mit ihm wollte. Daraufhin sei er aggressiv geworden und habe sie an den Haaren gezogen. Dann habe er sie auf den Boden gedrückt und gewürgt.

Opfer hatte Todesangst

Da habe sie zum ersten Mal Todesangst gehabt, erzählt die 17-Jährige weiter. Sie habe um Hilfe geschrien, versucht, sich gegen den Mann zu wehren.

Er sei immer brutaler geworden und habe sie an den Haaren über den Boden eine Treppe hinaufgezogen und immer wieder ins Gesicht geschlagen. „Er wollte mich vergewaltigen“, sagte die junge Frau vor Gericht. „Dann hatte ich einen Filmriss und wurde im Krankenwagen wieder wach.“

Autofahrer rettete ihr vermutlich das Leben

Ein vorbeifahrender Autofahrer, der am Freitag (30.11.2018) ebenfalls als Zeuge geladen war, berichtete, er habe trotz Musik im Auto die Hilfeschreie der jungen Frau gehört. Er sei sofort stehen geblieben, ausgestiegen und habe sie auf dem Boden liegen sehen.

Daraufhin habe er die Polizei alarmiert und sei zu ihr gegangen. Im Krankenhaus stellten die Ärzte bei der 17-Jährigen eine schwere Gehirnerschütterung, Platzwunden, eine gebrochene Augenhöhle und Schürfwunden am Rücken fest. Bei der Tat wurden dem Opfer außerdem büschelweise Haare ausgerissen.

Heute, so sagt die 17-Jährige, gehe es ihr körperlich wieder gut, aber sie sei im Dunkeln nicht mehr alleine unterwegs. Auch tagsüber achte sie darauf, dass immer Menschen in ihrer Nähe sind.

Zeuginnen identifizieren Angeklagten

Zwei junge Frauen, die in derselben Nacht unterwegs waren, erzählten vor Gericht, sie seien ebenfalls belästigt worden. Auf die Frage des Richters, ob der Angeklagte der Mann gewesen sei, antworteten sie ganz klar ja.

Ihre Begegnungen liefen, laut ihrer Zeugenaussage, ähnlich ab, wie bei dem späteren Opfer. Beide hatten aber Glück und konnten sich in einen Hausflur beziehungsweise ins Auto retten. Der Prozess wird am Dienstag (04.12.2018) fortgesetzt.

Stand: 30.11.2018, 17:31