Neuer Kinderporno-Fall: Polizei lässt sich 14 Monate Zeit

04.04.2019, Herbert Reul

Neuer Kinderporno-Fall: Polizei lässt sich 14 Monate Zeit

Von Uli Albert /Gabriele Spitzer / Thomas Drescher

  • 60-jähriger Heilpraktiker aus Bad-Oeynhausen festgenommen
  • Verdacht: Kindesmissbrauch und Besitz von Kinderpornografie
  • Polizei kommt dreimal vergeblich zur Durchsuchung

Ein 60-jähriger Physiotherapeut und Heilpraktiker aus Bad Oeynhausen ist am 28. März festgenommen worden. Wie die Polizei erst am Donnerstag (04.04.2019) mitteilte, steht er im Verdacht, mindestens zwei Kinder im Rahmen der Behandlung missbraucht zu haben.

Mehrmals soll er in seiner Praxis pornografische Fotos gemacht haben und außerdem weiteres kinderpornografisches Material besessen haben. Darauf war ein IT-Servicetechniker bei einer Fernwartung auf dem Computer des Verdächtigen gestoßen. Der Verdächtigte sitzt in Untersuchungshaft.

Fall im Innenausschuss erörtert

Der Fall ist der Polizei Minden-Lübbecke schon seit November 2017 bekannt. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bestätigte im Innenausschuss, es im habe im Jahr 2018 zwei Versuche und Anfang Januar 2019 einen weiteren gegeben, die Wohnung des Verdächtigen zu durchsuchen.

Dabei wurde der Therapeut nicht angetroffen. Erst beim vierten Anlauf am 08.03.2019 trafen die Ermittler den Mann an und beschlagnahmten Beweismaterial in Form von Datenträgern, Mobiltelefonen und Computern.

Reul kritisiert 14-monatige Verzögerung bis zur Verhaftung

Der Innenminister zitiert Sonderermittler Ingo Wünsch, der das Vorgehen der Behörden als "hochprofessionell" bewerte: Die Ermittlungen seien umfassend und nachvollziehbar dokumentiert, so Reul.

Der Innenminister stellt aber auch fest, dass der Fall hätte "höher priorisiert" werden müssen angesichts der therapeutischen Tätigkeit des Beschuldigten: "Denn der Mann hatte ja als Kinder- und Jugendtherapeut freien Zugang".

Wie Reul erklärte, seien die ersten drei Durchsuchungen aus taktischen Gründen abgebrochen worden, weil die Ermittler den Verdächtigen unbedingt persönlich antreffen wollten. Die kriminalistische Erfahrung zeige, dass Konsumenten kinderpornographischen Materials die Bilder und Videos häufig mit sich herumtragen.

Mittlere einstellige Zahl von Opfern

Es werde derzeit ermittelt, ob der Festgenommene seine Arbeit zu weiteren strafbaren Handlungen missbraucht habe. "Wir haben eine mittlere einstellige Zahl von Opfern", so Reul. Bei einer weiteren Durchsuchung der Praxis waren Patientenakten sichergestellt worden.

Anlaufstellen für mögliche Opfer

Die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke wird von spezialisierten Ermittlern und Opferschutzbeauftragten des Polizeipräsidiums Dortmund unterstützt. An die sollen sich mögliche weitere Opfer wenden können.

Die Polizei richtet dafür spezielle Anlaufstellen ein und ist in Minden und Bad Oeynhausen mit mobilen Teams unterwegs.

Stand: 04.04.2019, 17:09

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