Scientologe will Münsteraner Footballer werben

Nils Hähndel, Footballspieler der Müsnter Mammuts

Scientologe will Münsteraner Footballer werben

Von Heike Zafar

  • Footballspieler aus Münster bekommt Angebot aus Florida
  • Trainer bestreitet Anwerbung für Scientology
  • Verfassungsschutz und Sektenbeauftragte warnen

Nils Hähndel ist begeisterter Footballspieler bei den Münster-Mammuts. Und so hat er sich riesig gefreut, als er über Facebook ein Angebot aus den USA bekam: Die Clearwater Academy habe Stipendien zu vergeben für gute, internationale Footballspieler. "Viele Jugendliche träumen davon, in Amerika Football zu spielen, das lockt schon sehr", sagt Nils Hähndel.

Er ist nicht der einzige, der ein solches Schreiben bekommen hat. Unter den Footballern in Deutschland hat sich allerdings schnell herumgesprochen, dass möglicherweise Scientology dahinter stecken könnte.

Footballspieler Nils Hähndel zu dem fragwürdigen Angebot

00:17 Min.

Verfassungsschutz warnt vor Scientology

Denn die Facebook-Anfrage an Nils kam von Jesse Chinchar, Headcoach der Footballmannschaft der Clearwater Academy in Florida. Clearwater ist der Hauptsitz von Scientology - eine Organisation, die laut Verfassungsschutz eine "Gefahr für die freiheitlich demokratische Grundordnung" ist, weil sie wesentliche Grund- und Menschenrechte außer Kraft setzen wolle.

Zu den Stipendien-Angeboten sagt Marco Haase vom Verfassungsschutz in Hamburg: "Scientology ist seit jeher bestrebt, neue Mitglieder zu gewinnen, über verschiedenste Wege und auch nicht immer offen über das Label Scientology." Gerade in Deutschland nicht da Scientology in Deutschland einen äußerst schlechten Ruf hab und unter Beobachtung stehe.

Trainer bestreitet Anwerbung für Scientology

Jesse Chinchar, der Trainer aus Clearwater, bestätigt dem WDR auf Anfrage, Scientologe zu sein - er sei in einem scientologischen Elternhaus aufgewachsen. In der Clearwater Academy werde nach den Methoden des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard gelehrt. Den Mitarbeitern der Akademie sei es aber verboten für Scientology zu werben, schreibt der Headcoach.

Brigitte Hahn, Sektenbeauftrage beim Bistum Münster

Skeptisch: Brigitte Hahn, Sektenbeauftrage beim Bistum Münster

Brigitte Hahn, Sektenbeauftrage beim Bistum Münster ist skeptisch. Sie kennt die Methoden von Scientology seit vielen Jahren und ist überzeugt, dass die jungen Footballer angeworben werden sollen: "Weil gerade Sportler sehr leistungsorientiert sind, die wollen ja noch was aus ihrem Leben machen, die wollen Gewinne erzielen und da setzt Scientology an."

Footballer aus Münster ist enttäuscht

Verfassungsschutz

Der Verfassungsschutz beobachtet Scientology in Deutschland genau

Nils Hähndel von den Münster Mammuts ist enttäuscht, als er von den Scientology-Verbindungen erfährt. Der 19-Jährige ist froh, dass er auf das Schreiben aus Clearwater nicht reagiert hat. Jetzt will er andere Sportler davor warnen, auf das Angebot einzugehen.

Stand: 29.11.2017, 09:40