Abtreibung: Bald kein Arzt mehr in Münster

Eine junge Frau sitzt am 01.02.2007 in Berlin in einem Beratungsgespräch in einer pro familia-Niederlassung

Abtreibung: Bald kein Arzt mehr in Münster

  • Frauen müssen auf umliegende Städte ausweichen
  • zusätzliche Schwierigkeiten für Betroffene
  • Kliniken berufen sich auf religiös-moralische Gründe

Vom Sommer an wird es in Münster voraussichtlich keinen Arzt mehr geben, der Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Das sagte Claudia Leiking, Beraterin bei pro familia und Sprecherin der vier Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in der Stadt Münster dem WDR.

Für einen Schwangerschaftsabbruch müsse ein Arzt künftig sogar von auswärts anreisen. Oder aber die Frauen müssten in umliegende Städte wie etwa Nottuln, Osnabrück oder Rheine fahren, befürchtet Leiking.

Schwierige Situation für Schwangere

Dies sei ein unhaltbarer Zustand, vor allem für Frauen, die keine finanziellen Mittel hätten: "Sie haben nicht mehr die freie Wahl, welche Methode des Abbruchs sie wählen. Dann wählen sie vielleicht die, die besser zu organisieren ist, aber nicht die, die sie eigentlich möchten." Dies erschwere noch einmal diese Situation.

Uniklinik: Abbruch nur aus medizinischen Gründen

Ultraschall-Untersuchung

pro familia: Zustand in Münster "schockierend"

Viele Krankenhäuser in Münsters Stadtgebiet sind in katholischer Trägerschaft. Sie lehnen Schwangerschaftsabbrüche aus religiös-moralischen Gründen ab. Lediglich das Uniklinikum führt in Münster dann noch Abbrüche durch. Allerdings auch nur ab der zwölften Woche und wenn medizinische Gründe vorliegen. Ein pro familia-Berater aus Osnabrück nannte diesen zukünftigen Zustand in Münster "schockierend". In Osnabrück führen zwei niedergelassene Ärzte sowohl medikamentöse als auch operative Abbrüche durch. Ebenso das Klinikum der Stadt.

Zahl der Abtreibungen steigt an

In NRW haben im vergangenen Jahr 21.869 Frauen eine Schwangerschaft abgebrochen. Das waren 828 Fälle beziehungsweise 3,9 Prozent mehr als 2016 (damals 21.041 Frauen). Im Münsterland entschieden sich 2016 etwa 800 Frauen für eine Abtreibung.

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Stand: 14.03.2018, 20:00