Seebestattung am falschen Ort: Witwe erstreitet Schmerzensgeld

Bestattung auf See (Symbolbild)

Seebestattung am falschen Ort: Witwe erstreitet Schmerzensgeld

Das Bielefelder Landgericht hat einer Witwe Schmerzensgeld zugesprochen, weil die Asche ihres verstorbenen Mannes in der Ostsee - statt wie gewünscht - in der Nordsee bestattet wurde. Das Urteil war Donnerstag bekannt geworden.

Die Frau hatte nach Auffassung des Gerichts bei einem Bestattungsunternehmen eine Seebestattung in der Nordsee in Auftrag gegeben. Die Asche des gestorbenen Ehemanns wurde jedoch ohne Angehörige in der Ostsee beigesetzt. Die Witwe hatte daraufhin wegen psychischer Belastungen auf Schmerzensgeld geklagt. Das Urteil war bereits Anfang Oktober ergangen, wurde aber erst jetzt durch die Verbraucherinitiative Aeternitas bekannt.

Witwe klagt über Schlafstörungen und Depressionen

Nach Angaben eines Gutachters sei es der Frau schwer erträglich, schuld daran zu sein, dass der letzte Wille ihres Mannes nicht habe erfüllt werden können, erklärte das Gericht. Die Frau gab an, durch die Nachricht des falschen Bestattungsortes ein Psychotrauma erlitten zu haben. Sie leide unter Schlafstörungen, Bluthochdruck und Depressionen. Das Gericht erkannte diese psychischen Beeinträchtigungen an und gab der Klägerin Recht, sprach ihr aber nur 2.500 Euro zu - statt der geforderte Summe von 10.000 Euro.

Bestatter: "Kein konkreter Ort vereinbart gewesen"

Der Bestatter wiederum hatte argumentiert, dass zwar eine Seebestattung vereinbart worden sei, nicht aber ein konkreter Ort. Eine schriftliche Vereinbarung zum Bestattungsort lag nicht vor. Das Gericht sah dies nach einer Zeugenbefragung aber anders: Die Klägerin habe ausreichend deutlich gemacht, dass die Nordsee als Ort der Seebestattung wichtig sei - im Sinne ihres verstorbenen Mannes, einem Engländer.

Verbraucherinitiative: "Wünsche klar und deutlich äußern"

Um solche Situationen zu vermeiden, rät die Verbraucherinitiative Aeternitas, dem Bestattungsunternehmen die eigenen Wünsche klar und deutlich zu nennen und alle Vereinbarungen möglichst schriftlich festzuhalten. Darüber hinaus helfe es, eine unbefangene dritte Person zum Beratungsgespräch mitzunehmen, um Missverständnisse zu vermeiden und die geäußerten Wünsche notfalls beweisen zu können.

Stand: 28.10.2021, 20:06