Kliniken sollen Millionen für Schlaganfallpatienten zurückzahlen

Ein liegender Mann in einem blauen Hemd hat rote Striche auf den Kopf projeziert

Kliniken sollen Millionen für Schlaganfallpatienten zurückzahlen

  • Urteil gefährdet Stroke-Units in Krankenhäusern
  • Rückzahlungen in Millionenhöhe angedroht
  • Fahrzeiten zu lang

Weil bei einem Schlaganfall jede Minute zählt, gibt es für die Erstversorgung im Münsterland fünf Spezialstationen, die sogenannten Stroke-Units.

In ganz Deutschland gibt es davon 300. Diese Intensivstationen laufen im 24-Stundenbetrieb und bekommen dafür von den Krankenkassen eine erhöhte Vergütung.

Bisher galt: Wenn ein Patient von dort aus weiter in eine neurochirurgische Spezialklinik verlegt werden muss, darf diese Verlegung 30 Minuten dauern -  30 Minuten Fahrzeit im Rettungswagen oder Flugzeit im Hubschrauber.

Fahrzeit nicht zu schaffen

Nach einem aktuellen Urteil des Bundessozialgerichts beginnt diese 30-minütige Übergabe-Frist jetzt bereits mit der Entscheidung zur Verlegung.

Ein Rettungswagen fährt durch einen Tunnel (Symbolbild)

Ein Rettungswagen fährt durch einen Tunnel

"Das ist so gut wie gar nicht zu schaffen“, erklärt Neurologe Pablo Perez-Gonzales von der Stroke-Unit in der Christopherus-Klinik in Dülmen.

Die nächste Neurochirurgie ist in Münster. Reine Fahrzeit dorthin: 20 Minuten. "Immer wieder haben wir aber Fälle, wo Patienten nicht transportfähig sind und noch intubiert werden müssen. Allein das kann bis zu 20 Minuten dauern" , so Dr. Pablo Perez-Gonzales.

Schließung von Stroke-Units droht

Die Barmer fordert als Reaktion auf das Urteil des Bundessozialgerichts nun als erste Krankenkasse schon Geld zurück, und zwar rückwirkend für vier Jahre.

Ein orangenes Schild mit der Aufschrift Station G1 Stroke Unit Im Hintergrund ist der Flur eines Krankenhauses zu sehen

Der Klinik in Dülmen drohen Rückforderungen über rund fünf Millionen Euro. Denn sind die 30 Minuten im Einzelfall nicht einzuhalten, müssen die erhöhten Vergütungen aller Patienten der Stroke-Unit zurückgezahlt werden.

Patientenrisiko steigt

Der Monitor eines CT Geräts mit Patientendaten

Der Monitor eines CT Geräts mit Patientendaten

Die Stroke-Unit in Borken ist noch mehr gefährdet – hier dauert die gesamte Verlegung von Patienten deutlich länger. Neben den Millionen Rückforderungen droht der Entzug der gesamten Finanzierung der Stroke Unit.

Der Geschäftsführer der KWML-Klinik Borken, Christoph Bröcker, sieht dann keine Chance mehr für die Schlaganfall-Erstversorgung im Kreis Borken. Dann müssten alle Schlaganfallpatienten in die Spezialkliniken nach Münster oder Recklinghausen. "Dabei riskieren wir mehr bleibende Schäden bis hin zu Todesfällen" , so Christoph Bröcker

Laumann: „Die Sache muss aus der Welt“

Karl-Josef Laumann

Karl-Josef Laumann

Krankenhausverbände und Gesundheitspolitiker sind durch das Gerichtsurteil aufgeschreckt. Allein in NRW drohen Krankenhäusern Rückforderungen von 350 Millionen Euro. NRW Gesundheitsminister Laumann erklärte gegenüber dem WDR: "Die Sache muss aus der Welt, und wir werden einen Weg finden die Rückforderungen zu verhindern."

Neue Behandlung bei Schlaganfall: Rausziehen statt Auflösen (08.05.2015)

WDR 5 Leonardo | 08.05.2015

Stand: 12.10.2018, 12:34