Wegen Tönnies: Schweine-"Stau" auf den Höfen

Wegen Tönnies: Schweine-"Stau" auf den Höfen

  • Schweinebauern haben zunehmend Platzprobleme
  • Druck auf die Zuchtbetriebe steigt
  • Tönnies-Betriebs-Wiederaufnahme noch unklar

Landwirte aus Ostwestfalen-Lippe fordern die Wiederaufnahme des Schlachtbetriebs in Rheda-Wiedenbrück. Seit der Corona-bedingten Sperrung des Tönnies-Schlachthofs 'stauen' sich deutschlandweit mehr als 150.000 schlachtreife Schweine in den Zuchtbetrieben.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband fordert alle Beteiligten auf, umgehend ihrer großen Verantwortung für Mensch und Tier nachzukommen und die wachsenden Platzprobleme in der heimischen Tierhaltung mit in den Blick zu nehmen.     

Noch kein Termin für Neustart in Rheda-Wiedenbrück  

Zwei Wochen lang wollte man sich irgendwie behelfen, das sei das Angebot der Landwirte bei der Stilllegung des Schlachthofs gewesen, sagte Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälischen Landwirtschaftsverbandes am Donnerstag (02.07.2020). Doch dass es jetzt immer noch keinen Termin für eine Wiederaufnahme des Betriebes gibt, wollten die Bauern nicht länger hinnehmen.

Soldat vor Tönnies-Schlachthof

"Die Gesundheit der Beschäftigten und der Bevölkerung vor Ort müssen weiterhin oberste Priorität haben", sagte Beringmeier. Jedoch erwarteten die Landwirte jetzt Lösungen von Politik und Verwaltung. Denn solange das Tönnies-Werk weiterhin nicht arbeitet, kämen deutschlandweit täglich 10.000 schlachtreife Schweine dazu. Die heimischen Schweinehalter hätten bislang auf die stockende Abnahme von Schlachtschweinen reagiert und für ihre schlachtreifen Tiere neuen Raum auf den Höfen geschaffen. Dies könne jedoch keine Dauerlösung sein, so Beringmeier weiter.

Tierschützer zeigen sich besorgt

Die Tierrechtsorganisation PETA sorgt sich um das Wohl der Tiere. Die Schließung des Schlachthofes bedeutete, dass die Schweine, die geschlachtet werden sollen, nun nicht mehr versorgt und zusätzlichen Leiden ausgesetzt werden könnten.

Am Freitag (03.07.2020) demonstrieren vor dem Deutschen Bundestag in Berlin Tierschutzorganisationen für den Ausstieg aus der Kastenstandhaltung von Sauen. Sie fordern mehr Bewegungsfreiheit für die Tiere. Der Bundestag hatte die überfällige Entscheidung Anfang Juni ein weiteres Mal verschoben.

Stand: 03.07.2020, 07:33