Rettungsprogramm für bedrohte Schildkrötenarten

Lokalzeit Münsterland 11.08.2022 02:27 Min. Verfügbar bis 11.08.2023 WDR Von Dominik Hamers

Privates Heim für bedrohte Schildkröten

Stand: 11.08.2022, 20:00 Uhr

Ganz praktisch unterstützen Privatleute im Münsterland ein Artenschutzprojekt des Allwetterzoos. Sie geben bedrohten Schildkröten ein neues Zuhause.

Von Dominik Hamers

Das kleine Aqua-Terrarium ist ein Blickfang – schließlich steht es in der Mitte des Raumes. Doch um die beiden Bewohner zu sehen, braucht es gute Augen. Die beiden Goldkopf-Scharnierschildkröten Morla und Rush lassen sich sehen, wann es ihnen passt. Mal schwimmen sie durchs Wasser, mal genießen sie das Kunstlicht der kleinen Lampe und mal ruhen sie sich unter dem Tropenholz aus.

Privatunterkunft für Schildkröten

Phillina Zuther sitzt vor ihrem Laptop.

Phillina Zuther teilt ihr Zuhause mit zwei Schildkröten.

Phillina Zuther hat die beiden seltenen Tiere in ihrer Wohnung in Münster aufgenommen. Sie unterstützt damit das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) im Allwetterzoo in Münster. Dort leben rund 300 Exemplare bedrohter Arten – mit dem Ziel, sie zu erhalten.

Um nicht alle Tiere ausschließlich in einer Station zu versammeln, kooperiert das IZS mit privaten Halterinnen und Haltern wie Phillina Zuther. Die 26-jährige Fotografin ist über ein Projekt mit dem IZS an die beiden Tiere gekommen. Seit Februar leben die Schildkröten bei ihr.

Fachlichen Input bekommt sie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zoos: "Sie vermitteln uns das Wissen, das wir brauchen, um sie zu pflegen und später auch zu züchten."

Schutz vor vielen Gefahren

Ein Zuchterfolg wäre das wichtigste Ziel. Denn Morla und Rush werden die Wildnis nie kennenlernen. Dort wären ihre Überlebenschancen verschwindend gering. Sie kennen ihre natürlichen Feinde nicht. Außerdem würden sie in ihrem eigentlichen Lebensraum – in China – gejagt. "Da landen sie in der Suppe", vermutet Phillina Zuther.

Eine Schildkröte unter Wasser.

In freier Wildbahn hätten bedrohte Arten geringe Überlebenschancen.

Die Jagd auf Schildkröten hat in China und Südostasien aber noch weitere Gründe. Dem Konsum mancher Art wird eine medizinische Wirkung nachgesagt. Andere sollen die Potenz fördern. Einige, wie etwa die Zhous-Scharnierschildkröte, sind so selten, dass der Verkauf eines wild gefangenen Tieres rund 150.000 Euro bringen kann.

Hoffnung auf Nachwuchs

Rush und Morla sind davor geschützt. Halterin Phillina Zuther weiß aber auch, dass die Tiere ihr langes Leben in Gefangenschaft verbringen werden. Deshalb hofft sie auf Nachwuchs: "Die Hoffnung ist, dass ihre Babys irgendwann in die Wildnis entlassen werden. Das ist Ziel des Projekts und auch unser Traum, dass dadurch die Art erhalten werden kann."