Schäden an der Soester Wiesenkirche größer als befürchtet

Schäden an Soester Wiesenkirche 03:16 Min. Verfügbar bis 10.04.2020

Schäden an der Soester Wiesenkirche größer als befürchtet

Von Heinrich Buttermann

  • Nazi-Beton sorgt an der Wiesenkirche für Probleme
  • Bau-Schäden schlimmer als befürchtet
  • Statik der gotischen Hallenkirche in Gefahr

Auf diesen Moment am Mittwoch (10.04.2019) hat Dombaumeister Prigl lange hin gefiebert. Endlich steht das Gerüst, die Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen, ein kleiner Bau-Aufzug bringt das kleine Arbeiterteam direkt an die brisante Stelle. Beim Einbau neuer Fenster war festgestellt worden, dass es große Risse an der Kirche gibt.

Danach entdeckte das Team um Dombaumeister Prigl sogenannten "Nazi-Beton": Eine minderwertige Betonmischung, die in den 1930er Jahren oft eingesetzt wurde, die sich aber als nicht haltbar erwies. Heute schauen sie nach, wie viel und an welchen Stellen der schlechte Baustoff eingesetzt wurde.

Schäden im empfindlichsten Bereich

Eine Stunde später bestätigten sich schlimme Befürchtungen: der minderwertige Beton wurde wohl im kompletten Trauf-Bereich der Kirche, einer der bedeutendsten gotischen Hallenkirchen Europas, eingesetzt. Also genau im empfindlichsten Bereich, wo das schwere Dach auf den dünnen Mauern aufliegt.

Dombaumeister Jürgen Prigl und seine Kollegen

Dombaumeister Jürgen Prigl ärgert sich über seinen Fund.

Dombaumeister Jürgen Prigl kann seine Wut nicht mehr unterdrücken, als er sieht, wie bröselig das Material mittlerweile ist. "Das bringt unsere Kirche, unseren Patienten, in akute Gefahr. Das wurde einfach gepfuscht. Extrem gepfuscht. Unfassbar was die gemacht haben," poltert er los.

Ärger über Pfusch am Bau

Vor 700 Jahren und auch in den Zeiten danach hätten Dombaumeister etwas grandioses erschaffen und auch erhalten, in den 1920 und 1930er Jahren habe man nur "schnell, schnell arbeiten wollen, um sich dann mit den von außen so tollen Ergebnissen zu brüsten."

Dieser Pfusch am Bau muss jetzt repariert werden. "Das wird nicht leicht und ich kann Ihnen heute auch nicht schnell ein Patentrezept präsentieren," sagt Jürgen Prigl. Er geht davon aus, dass die Arbeiten mindestens zehn Jahre lang dauern werden und in die Millionen gehen.

Stand: 10.04.2019, 17:12