Winterberg: Freud und Leid des Massentourismus

Paar beim Wandern auf dem Gipfel des Feldsteins der Bruchhauser Steine im Sauerland.

Winterberg: Freud und Leid des Massentourismus

Von Corinna Wegler-Pöttgen

  • Winterberg ist Hotspot für Tourismus in NRW
  • Auf jeden Einwohner kommen 192 Touristen
  • Tourismusteam entwickelt Waldknigge

Nicht nur Venedig oder Barcelona, auch Teile des Sauerlandes leiden unter zu viel Tourismus: Massen von Mountainbikern und Spaziergängern bevölkern den Ruhrtalradweg.

Besonders Winterberg ist bei Touristen immer beliebter geworden. In den Cafés ist kein Platz mehr zu bekommen, die Läden sind voll, die Wälder auch. Im Winter sind es die Skifahrer, jetzt im Herbst Wanderer und Mountainbiker.

"Wir haben seit mehreren Jahren Übernachtungszahlen zwischen 1,4 Millionen bis 1,5 Millionen. Zwei Millionen Tagesgäste pro Jahr. Wir sind der Hotspot in Nordrhein-Westfalen", sagt Winterbergs Tourismusdirektor Michael Beckmann dem WDR.

Overtourism im Sauerland – Zu viele Mountainbiker und Wanderer

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 25.10.2018 04:13 Min. Verfügbar bis 24.10.2019 WDR 5

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Straßen und Innenstadt sind überfüllt

Die Kleinstadt Winterberg hat - mit allen umliegenden Dörfern - nicht mal 13.000 Einwohner. Auf jeden Winterberger kommen 192 Touristen.

Das ist ein Verhältnis, das von Venedig noch getoppt wird, aber von Barcelona zum Beispiel nicht mehr. Die Folgen: An etlichen Wintertagen kollabiert der Verkehr rund um den Ort.

Ein weiteres Problem sei auch der Müll, der von den Touristen auf Parkplätzen, Wanderwegen und Mountainbikestrecken hinterlassen wird.

Der Stadtförster ärgert sich über Touristen, die kreuz und quer, von frühmorgens bis spätabends im Wald unterwegs sind. Sie scheuchen das Wild auf, das keine Ruhe mehr findet.

Touristenteam entwickelt Waldknigge

Ein junger Mountainbiker fährt über eine Rampe

Zweiräder erobern Winterberg

Auch Waldarbeiten seien kaum noch möglich. Gesperrte Wege werden von Wanderern und Mountainbikern oftmals ignoriert, klagt Stadtförster Michael Kleinsorge. Das Tourismusteam hat auf diese Klagen reagiert - und einen sogenannten Waldknigge herausgegeben.

Im Waldknigge ist zu lesen: Hunde an die Leine, Wege nicht verlassen, Lärm vermeiden und Abfall mitnehmen. Diese Appelle müssen ausreichen. Denn: Die Winterberger sind auf ihre Touristen angewiesen, die Arbeitsplätze werden zum Großteil vom Tourismus generiert.

Bessere Umverteilung auf andere Dörfer

Deshalb sollen Experten nun Vorschläge machen, wie die Touristenströme besser gelenkt werden können. Das Sauerland ist im Gegensatz zu Städten wie Venedig groß. Wenn Städte wie Winterberg gut besucht sind, kann die Touristikzentrale Gäste in andere Orte vermitteln.

Sauerland: Was will der Gast von heute?

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 24.10.2018 04:00 Min. Verfügbar bis 23.10.2019 WDR 5

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Stand: 25.10.2018, 13:17

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