Spektakulärer Fund: Römerlager aus der Zeit der Germanienfeldzüge

Archäologen graben römisches Marschlager bei Bielefeld aus

Spektakulärer Fund: Römerlager aus der Zeit der Germanienfeldzüge

  • LWL-Wissenschaftler zeigen Überreste römischen Marschlagers
  • Puzzle-Teil aus der Zeit der Varus-Schlacht
  • Netz römischer Marschlager lässt auf Marschroute schließen

Zwischen den vielen Bäumen in einem Waldstück des Bielefelder Stadtteils Sennestadt erkennt nur ein archäologisch geübter Blick, dass der etwa 40 Zentimeter hohe, mit Buschwerk und Grün überwucherte Erdwall zu einem Lager römischer Legionäre des Kaisers Augustus gehört hat. Er umschließt ein 26 Hektar großes Gelände an drei Seiten, die vierte wird durch einen Bach begrenzt.

Für Archäologen eine Sensation

Die Forscher sind begeistert: Der gut erhaltene Erdwall und zeittypische Eingangstore sind in Westfalen ein bisher einzigartiger Fund. "Diverse Puzzle in der Geschichte können dadurch wieder geschlossen werden", sagte LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger. Meist seien oberirdische Bodendenkmäler wie diese überbaut oder durch Ackerbau zerstört.

Römische Marschroute zwischen Lippe und Weser

"Wir können den Weg, den die Römer durch dieses fremde Gebiet hier in Germanien genommen haben, um die Cherusker in ihr Reich einzuverleiben, tatsächlich jetzt genauer definieren. Wir wissen jetzt, an welchen Stellen sie, an welchen Pässen sie herüber gegangen sind", gibt Prof. Michael Rind, Chefarchäologe des LWL, am Mittwoch (08.05.2019) bekannt.

Durch die Entdeckung verdichte sich das Netz römischer Marschlager in der Region. Möglicherweise lasse sich hier sogar eine Marschroute römischer Legionen auf ihrem Weg nach Norden ausmachen, die öfter genutzt wurde, sagte die Römerexpertin des LWL, Bettina Tremmel.

Spuren von 25.000 Menschen gesucht

Die Archäologen arbeiten nun weiter an den Ausgrabungen. Sie hoffen, im Boden des Römerlagers Schätze zu entdecken, die die rund 25.000 hier lagernden Menschen in der Zeit der Germanienfeldzüge zwischen Lippe und Weser hinterlassen haben.

Stand: 08.05.2019, 14:44