Römisches Marschlager in Haltern entdeckt

Ältestes Römerlager in Haltern entdeckt Lokalzeit Münsterland 06.10.2021 02:25 Min. Verfügbar bis 06.10.2022 WDR Von Anastasia Mehrens

Römisches Marschlager in Haltern entdeckt

In Haltern haben Archäologen ein weiteres römisches Lager entdeckt, es ist das bislang älteste in diesem Bereich. Am Mittwoch präsentierte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Ausgrabung.

Konkret handelt es sich um ein Marschlager. Es ist etwa 2.000 Jahre alt. Für die Archäologen erkennbar ist das Lager an Verfärbungen im Erdreich, sie sind ein Hinweis auf einen Wehrgraben, den die Truppen ausgehoben hatten. In ihm suchten sie bei Angriffen Deckung.

"Die Römer waren mit ihren Feldzugsherren auf dem Weg nach Germanien, um die feindlichen germanischen Stämme zu befrieden. Und dabei haben sie an jeder Etappe ein kleines Marschlager angelegt, einen Graben, der sie vor Angriffen schützt." Bettina Tremmel, Archäologin des Landschaftsverbandes

Vor dem Weitermarsch seien diese Gräben zugeschüttet worden, um sie für ihre Gegner unbrauchbar zu machden.

Platz für bis zu 20.000 Menschen

Ein Bild des rekonstruierten Westtors in Haltern

Das vor fünf Jahren rekonstruierte Westtor des Hauptlagers

Angelegt war dieses Marschlager für bis zu 20.000 Mann. Das sind etwa drei römische Legionen einschließlich des Trosses und der Hilfstruppen. Auf dem Marsch tief hinein nach Germanien campierten die Legionäre in Lederzelten. Dieses Halterner Marschlager ist etwa 24 Hektar groß und liegt nördlich des LWL-Römermuseums und damit auch im Bereich des später errichteten Hauptlagers. Dessen Westtor war vor fünf Jahren rekonstruiert worden.

Luftaufnahmen wiesen den Weg

Auf die Spur der Wehrgräben waren die Archäologen durch Luftaufnahmen im Jahr 2011 gekommen. In den Getreidefeldern waren ihnen atypische Linien aufgefallen. Meist blieben die Soldaten nur wenige Tage in so einem Lager, dann zogen sie weiter. Ein vergleichbares Marschlager gab es auch im benachbarten Dorsten-Holsterhausen.

Lackabzug fürs Museum

Doch es gibt eine schlechte Nachricht: Die Fundstelle wird bald wieder verfüllt, denn hier soll eine Reithalle entstehen. Der LWL hat daher im Lackabzugsverfahren quasi einen Abdruck des Spitzgrabens nehmen lassen. Dieser Querschnitt des Grabens soll im Römermuseum ausgestellt werden. Ohnehin dürfen die Bauarbeiten erst starten, wenn alles fein säuberlich dokumentiert ist: Archäologie hat Vorrang.

Stand: 06.10.2021, 20:00

Weitere Themen