Glasproduktion bei Ritzenhoff

Ritzenhoff: Ohne Gas kein Glas

Stand: 05.04.2022, 14:15 Uhr

Viele Unternehmen fürchten sich vor einem Lieferstopp für Gas aus Russland. Mit einem Gas-Embargo ginge es für viele um die Existenz. So zum Beispiel bei Ritzenhoff in Marsberg.

Von Heinz Krischer

Sollte es zu einem Gas-Embargo oder einem Stopp der Lieferungen durch Russland kommen wären Industriebetriebe die ersten, die das zu spüren bekommen. In manchen Unternehmen ginge es dann um die komplette Existenz. Zum Beispiel bei Ritzenhoff in Marsberg im Hochsauerlandkreis.

Glasproduktion bei Ritzenhoff

Gläser im Glasofen

Es ist eine extreme Hitze, die an manchen Stellen der Produktionshalle herrscht. Hier bei Ritzenhoff wird Quarzsand geschmolzen, bei 1500 Grad Celsius. Vier dicke gelbe Erdgas-Leitungen führen zu den Schmelzöfen. Erdgas ist hier unverzichtbar für die Produktion.

Gas kann kurzfristig nicht ersetzt werden

„Wir produzieren 50 Millionen Gläser pro Jahr, und dafür brauchen wir die Energie“, sagt Dr. Axel Drösser, Vorstandsvorsitzender der Ritzenhoff AG. Trotzdem befinde man sich in einem Dilemma, sagt Dr. Axel Drösser. Die Bilder aus der Ukraine seien schrecklich. „Aber gleichzeitig haben wir auch große Sorge um unser Unternehmen, weil wir kurzfristig Gas nicht ersetzen können. Wir brauchen das Erdgas für die Produktion von Gläsern.“

Abgestellte Öfen würden komplett zerstört

Glasproduktion bei Ritzenhoff

Die Glasöfen laufen immer

Die Glasöfen des Unternehmens müssen 365 Tage im Jahr laufen, rund um die Uhr und immer auf Temperatur sein. Wenn die Öfen ausgeschaltet werden würden, würde die Rohmasse Glas aushärten. Die Öfen wären zerstört. "Das hieße für uns der wirtschaftliche Totalverlust des Unternehmens und aller Arbeitsplätze", so Dr. Drösser.

Unterstützung vom Deutschen Gewerkschaftsbund

Deshalb kämpft das Unternehmen auch darum, dass ihm der Gashahn nicht zugedreht wird. Rückhalt gibt es vom Betriebsrat und den Gewerkschaften. Ingo Degenhardt vom DGB Südwestfalen sagt, dass bei einem Gas-Stopp vielen Unternehmen in Südwestfalen irreparable Schäden drohen. „In der Folge würde die Arbeitslosigkeit sprunghaft ansteigen. Aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt muss alles dafür getan werden, ein Energieembargo zu verhindern.“

Noch keine Alternative für Gas

Erdgasleitung bei Ritzenhoff

Ohne Gas steht die Produktion still

Viele Unternehmen denken bereits über alternative Brennstoffe nach. Das Problem: Sie stehen noch nicht in der Menge zur Verfügung. Für Ritzenhoff heißt das: „Kurzfristig sind Alternativen nicht verfügbar“, sagt Dr. Axel Drösser. „Auf die kurze Formel gebracht: Kein Gas, kein Glas.“

Über diese Thema berichteten wir am 05.04.2022 im WDR Fernsehen in der Lokalzeit Südwestfalen.