Hotel führen trotz Pandemie: Juniorchefin im Interview

Friederike Menge

Hotel führen trotz Pandemie: Juniorchefin im Interview

Präsent sein, für die Gäste da sein, ihnen eine schöne Zeit nach eigenen Ideen und Vorstellungen bereiten. Dem Anspruch, mit dem Friederike Menge das Hotel von ihrem Vater Christoph vor einem Jahr übernommen hatte, konnte sie bisher nicht gerecht werden. Die Pandemie zehrt an ihren Kräften.

WDR: Warum haben Sie sich überhaupt entschlossen das Familienunternehmen im kleinstädtischen Arnsberg zu übernehmen?

Friederike Menge: Ich habe festgestellt, wie sehr ich Familienmensch bin und außerdem auch heimatverbunden. Ich habe viel von der Welt gesehen. Nun bin ich zurück und will meine eigenen Ideen weiterbringen. Das machen, was ich möchte, ohne dass einer von oben, ein Vorgesetzter, wieder einen Deckel drauf macht. Ich kann mich hier selbst verwirklichen.

Friederike Menge, 30 Jahre, übernahm im Frühjahr 2020 das Hotel mit Restaurant  von ihrem Vater. Das Hotel, ursprünglich eine Kutscherkneipe ist seit 1833 in Familienbesitz. Zur Ausbildung war Friederike Menge in großen Hotels in London, Kopenhagen, Hamburg und Australien.

WDR: Vor welchen Herausforderungen stehen Sie jetzt, ein Jahr danach?

Menge: Sich nicht um die Gäste kümmern zu dürfen, weil keine da sind, ist für uns wirklich schlimm. Das ist das, warum wir uns diesen Beruf ausgesucht haben: schöne Abende, schöne Zeiten mit den Gästen zu verbringen, sie zu verwöhnen und einfach Teil davon zu sein. Das fehlt komplett und schlägt wirklich auf die Psyche. Diese Perspektivlosigkeit, also nicht zu wissen, wann es endlich weiter geht, ist ehrlich gesagt das Schlimmste an der ganzen Sache, auch für die Mitarbeiter.

WDR: Können Sie mit Essen, das Sie zum Abholen anbieten und den berufsbedingten und somit erlaubten Übernachtungen, das finanzielle Minus ausgleichen?

Hotel Menge in Arnsberg

Menge: Das Außer-Haus-Essen ist seit dem ersten Lockdown vor einem Jahr bedeutend ruhiger geworden. Am Wochenende ist noch einiges zu tun, aber es ist nicht mehr der Run wie vor einem Jahr. Die Übernachtungen sind tatsächlich ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn wir nicht ein familiengeführtes Hotel, Unternehmen wären, dann könnten wir das auch überhaupt nicht machen. Weil für jeden einzelnen Bereich, für das Frühstück, die Zimmerreinigung immer Personal dazuhaben, wäre ohne die Familie wirtschaftlich überhaupt nicht tragbar.

WDR: Wie sehen Sie in die Zukunft?

Menge: Also man versucht natürlich optimistisch zu bleiben, aber es kostet einfach immer mehr Kraft, positiv zu bleiben. Aber ich plane weiter und versuche optimistisch zu sein, so gut es geht. Perspektive und Hoffnung auf die Zukunft geben tatsächlich die Planungen mit den Architekten. Vor einem Jahr hatte ich mir einen An- und Umbau vorgenommen. Das dauert jetzt aber alles viel länger.

WDR: Haben Sie es bereut Hotel und Restaurant vor einem Jahr zu übernehmen?

Hotel Menge in Arnsberg

Menge: Nein, absolut gar nicht. Es ist mein Herzenswunsch, das ist mein Traumberuf, ich lebe dafür, ich habe es bis jetzt noch keine Sekunde bereut.

Das Interview führte Dirk Hammel.

Stand: 03.05.2021, 13:40