Crashtest in Münster: Forscher stellen Busunfall nach

Ein auf der Seite liegender Reisebus mit Passagieren

Crashtest in Münster: Forscher stellen Busunfall nach

Von Petra Brönstrup

Unfallforscher haben auf einem Testgelände in Münster einen Busunfall simuliert. Dabei wurde deutlich, dass Busse - so wie sie konstruiert sind - zur tödlichen Falle werden können.

Mandy Stoll ist erleichtert, dass sie wieder festen Boden unter den Füßen hat. Die 35-jährige Telgterin ist eine von zehn Freiwilligen, die sich für die Simulation eines Busunfalls zur Verfügung gestellt haben.

Rettung über die Dachluke

Eine Frau, die als Testperson fungiert, klettert aus dem fenster eines umgekippten Reisebuses

Die Dachluke ist der Ausstieg für Mandy Stoll

"Das hat mir schon ziemlich Angst gemacht", sagt Stoll. Sie saß für wenige Minuten in einem speziell für diese Unfallsimulation konstruierten Reisebus. Das Szenario: Der Bus kippt auf die Seite. Die Insassen müssen versuchen, sich über den einzig möglichen Ausgang - die Dachluke - ins Freie zu retten.

Innenraum eines Reisebusses mit Passagieren, in dem Rausch aufsteigt.

Es kann zu gefährlichen Situationen kommen

Anfangs hat Mandy Stoll im umgekippten Bus Probleme, sich zu orientieren: Wo ist oben, wo unten, wo die Dachluke? "Ich hing in der Luft", beschreibt die Telgterin ihre missliche Lage im umgekippten Bus. Sie versucht, Halt zu finden, sich mit den Füßen an der Seite eines gegenüberliegenden Sitzes abzustemmen, um dann weiter zur Dachluke zu klettern und aus dem Bus zu krabbeln. Geschafft!

Mehr Sicherheit gefordert

Siegfried Brockmann

Der Unfall-Forscher Brockmann fordert mehr Bus-Sicherheit

"Der Test soll veranschaulichen, wie schwierig es im Falle eines Unfalls für Insassen ist, einen Bus zu verlassen", sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer. Er rät dringend dazu, Busse anders zu konstruieren: Drei- statt Zweipunktgurte, breite Gänge, längs statt quer eingebaute Dachluken und Frontscheiben, die sich für den Ausstieg von Innen entfernen lassen, und Vieles mehr.

Innenraum eines seitlich liegenden Reisebusses.

Die Dachluken in Bussen sollten verändert werden

"Es muss möglich sein, Businsassen genauso schnell zu retten wie Flugzeugpassagiere, nämlich binnen drei Sekunden", sagt Brockmann. Der Unfallforscher hält die aktuelle Praxis für unverantwortlich. Es gebe für Busse kaum Regeln. In Deutschland werden jährlich etwa 6.000 Businsassen verletzt, davon etwa 500 schwer.

Studie zu Reisebusunfällen vorgestellt Lokalzeit Münsterland 07.09.2021 02:31 Min. Verfügbar bis 07.09.2022 WDR Von Christian Schweitzer

Stand: 07.09.2021, 20:00