Literatur aus zehn NRW-Kulturregionen: Halbzeit für "Regionsschreiber"

Regionsschreiber Yannic Han Biao Federer in Bellersen

Literatur aus zehn NRW-Kulturregionen: Halbzeit für "Regionsschreiber"

  • "stadt land text": Zehn Autoren für zehn NRW-Region
  • Residenz-Stipendium des Landes NRW
  • Bellersen als OWLs Literatur-Hotspot

Halbzeit für die zehn NRW-Regionsschreiber: In Anlehnung an die mittelalterlichen Stadtschreiber als amtlicher Protokollführer sind sie vier Monaten lang in den zehn Kulturregionen des Landes unterwegs. Sie werden mit dem Residenzstipendium "Stadt.Land.Text" vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert, damit sie ihre Eindrücke aus einer Region des Landes literarisch verarbeiten. Ende des Jahres erscheint ein Sammelband mit allen Geschichten.

Stipendium für Literatur über die Region

Dorfliteratur in Bellersen durch das NRW-Residenzstipendium

Die Autoren ziehen dafür in das Sauerland, an den Niederrhein, nach Südwestfalen oder eben Ostwestfalen-Lippe: Hier im Kreis Höxter protokolliert Yannic Han Biao Federer von März bis Juni seine Wahrnehmungen, Begegnungen und Erfahrungen zum Beispiel so: "Ein Wald, ein Bach, eine Weide, im Gras steht das Wasser. Höfe, Scheunen, keine Menschen, manchmal ein Auto, das uns entgegen kommt." Bellersen ist ein pittoreskes Tourismus-Bilderbuchdorf. Liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser rahmen den Alltag ein, wie ihn der Regionsschreiber zu Corona-Zeiten erlebt.

Bellersen wieder Literatur-Schauplatz

Vor seinem Job als Regionsschreiber war OWL ein weißer Fleck auf Federers Landkarte: "Das Wichtigste war, möglichst unvorbereitet und unvoreingenommen sich irgendwo hinschmeißen zu lassen, wo man irgendwo so einen ersten Reiz hat und dann zu gucken, was der Ort mit einem macht und wo man mental hängen bleibt", erzählt er dem WDR. Marienmünster, Detmold, Hermannsdenkmal… er blieb in Bellersen hängen, das heute zur Stadt Brakel gehört und im 19. Jahrhundert die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zum Schreiben der „Judenbuche“ inspiriert hat.

Tür auf zum kollektiven Dorfgedächtnis

Einblicke in das unbewohnte Haus des Dorfarchivars

In Bellersen war - auch wegen der Corona-Beschränkungen - kaum etwas los auf den Straßen: "Dann biegen wir ins Dorf, die Straße windet sich durch den Ort. Die letzte Haltestelle heißt „Wendeplatz“ - ich steige aus und tatsächlich, der Bus macht kehrt und lässt mich zurück." Doch die Dorfbewohner öffnen ihm Türen, die sonst verschlossen sind. Zum Beispiel das Haus des verstorbenen Dorfchronisten und ehemaligen Kreisarchivars: "Ich dachte, das ist der Wahnsinn, weil hier das kollektive Dorfgedächtnis gespeichert ist."

Seine Eindrücke aus der Region schildert Yannic Han Biao Federer in einem Internetblog. Ende des Jahres erscheinen seine Texte - in Buchform - zusammen mit denen seiner Kollegen über die anderen Kulturregionen des Landes NRW.

Zu Gast in Bellersen: Regionenschreiber Yannic Han Biao Federer

WDR 3 Mosaik 16.05.2020 05:58 Min. Verfügbar bis 16.05.2021 WDR 3

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Stand: 19.05.2020, 15:18