Rechte Terrorzelle: Verdächtige auch aus NRW

ekstramni desničari na jednom skupu

Rechte Terrorzelle: Verdächtige auch aus NRW

  • Vier Rechtsterror-Verdächtige stammen aus NRW
  • Terrorzelle traf sich offenbar in Minden
  • Zahl der Gefährder in NRW gestiegen

Nach bundesweiten Razzien am Freitag (14.02.2020) gegen eine mutmaßlich rechte Terrorzelle haben Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof Haftbefehle gegen zwölf Männer erlassen. Vier mutmaßliche Mitglieder und acht mutmaßliche Unterstützer befinden sich in Untersuchungshaft. Vier von ihnen stammen aus NRW. Zum Kern der Gruppe rechnet die Bundesanwaltschaft einen 35-Jährigen aus dem Kreis Minden-Lübbecke, dort soll sich die Gruppe auch getroffen haben.

Zahl der rechten Gefährder in NRW steigt

Im Zuge der Ermittlungen wurde zudem bekannt, dass die Zahl der rechten Gefährder, denen schwere staatsgefährdende Gewalttaten und Anschläge zugetraut werden, in NRW seit Oktober von 15 auf 17 gestiegen ist. Das bestätigte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums der Westdeutschen Zeitung. "Die Gesamtzahl liegt sogar bei 31", führte der Sprecher weiter aus. Darin würden 14 so genannte "relevante Personen" mit berücksichtigt, deren Gefährlichkeit von den Sicherheitsbehörden geringer eingeschätzt werde als die der Gefährder.

Beschuldigter ist mutmaßlich ein Reichsbürger

Nach Recherchen des WDR soll der Mann aus Minden zum Kern der Gruppe gehört haben. Er soll einen Tag vor der Razzia zum letzten Mal etwas auf Facebook geposte habent: Ein Foto eines nordischen Kriegers mit einer blutverschmierten Axt. Dazu der Spruch "Widerstand ist der einzige Weg. Wir bleiben unbeugsam." Sein Profil weist ihn als Reichsbürger aus. Er teilte zum Beispiel mehrfach Inhalte anderer Nutzer, wie rassistische oder antisemitische Bilder, Texte und Videos, in denen der Staat abgelehnt und als GmbH bezeichnet wird.

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Der Mindener Thomas N. ist ein Facebookfreund von Ulf R., einem weiteren Verdächtigen aus Porta Westfalica. Nach Recherchen des SWR und des ARD-Hauptstadtstudios wurden bei den Razzien scharfe Waffen gefunden: bei Ulf R. unter anderem mehrere selbstgebaute Eier-Handgranaten. Die waren so instabil, dass Spezialkräfte kommen mussten, um sie zu sichern. Der Mann aus Porta Westfalica soll der Polizei bei seiner Festnahme laut Westfalenblatt außerdem Waffen-Depots im Wald gezeigt haben.

Auch bei Thomas N. wurden Waffen gefunden: ein Revolver, ein Gewehr mit Zielfernrohr, 50 Stichwaffen, eine Armbrust, Äxte und Morgensterne sowie Münzen und Barren aus Gold und Silber. Laut SWR und ARD hatte die Gruppe auch konkrete Pläne, wie etwa Moscheen in kleineren Städten anzugreifen.

Offenbar traf sich die Terrorzelle in Minden

Von den vier Terrorverdächtigen, die seit dem Wochenende in Untersuchungshaft sitzen, kommen allein drei aus dem Kreis Minden-Lübbecke. Woher der vierte stammt, ist derzeit noch unklar. Mehr als zehn Personen sollen am Samstag der Vorwoche in Minden bei Thomas N. zusammengekommen sein. Dieses Treffen sei von den Sicherheitsbehörden mit großem Aufwand observiert worden.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Freitag zu den Durchsuchungen bekanntgegeben, dass ein Verwaltungsmitarbeiter der Polizei suspendiert worden sei. Dieser Mann ist dem Vernehmen nach einer der mutmaßlichen Unterstützer.

Stand: 17.02.2020, 11:40