Bielefeld testet autofreie Altstadt

Die Bielefelder Altstadt von Oben

Bielefeld testet autofreie Altstadt

Mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linken hat der Stadtrat beschlossen, dass die Altstadt für einige Zeit weitestgehend autofrei werden soll. Schon im Juni soll es losgehen.

Die Testphase des Projekts "altstadt.raum" sei erstmal bis Februar 2022 geplant. Um den genauen Zeitraum gab es während der Ratssitzung Diskussionen. CDU und FDP forderten eine Testphase nur bis Oktober. Sie befürchteten Einbußen für den Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft. Beschlossen wurde jetzt, im September ein erstes Zwischenfazit zu ziehen.

Parkflächen weg, Gastronomie hin

Eine Karte der Altstadt in Bielefeld

In der Bielefelder Altstadt sollen in einigen Straßen keine Autos mehr fahren dürfen.

Während der Testphase dürfen in wesentlichen Teilen der Altstadt keine Fahrzeuge mehr fahren. Außerdem soll der öffentliche Raum umgestaltet werden. Zum Beispiel sollen Parkflächen verschwinden, um die Außengastronomie zu erweitern. Auf einer Karte der Stadt Bielefeld ist bereits die Altstadt eingezeichnet. In diesem Bereich sollen in einigen Straßen keine Autos mehr fahren. Welche es genau werden, ist aber noch nicht entschieden.

Mit zusätzlichen Fahrradwegen möchte man die Bielefelder Altstadt zu einer Art "Piazza" umgestalten. Das soll für mehr Lebensqualität sorgen und die Belastung durch den Verkehr verringern.

Bielefeld mit anderen großen Städten Vorreiter

Nach WDR-Recherchen ist Bielefeld mit diesem Plan Vorreiter. Auch Münster, Köln oder Hannover planen, Teile der Innenstadt autofrei zu machen. In Freiburg ist dies auch schon der Fall.

Bürgerbefragung zeigt Uneinigkeit

Im März wurden die Bürger zu den Plänen befragt. Eine Mehrheit stand den Ideen einer autofreien Altstadt durchaus positiv gegenüber, aber es gab auch Einwände bezüglich einzelner Straßensperrungen: So schrieb ein User im Internet: "Sperrung der Straße Waldhof trennt die Stadt und macht die Altstadt zur Insel. Diese eine Ost-West-Verbindung braucht die Stadt."

Andere User waren anderer Meinung: Sie argumentierten zum Beispiel, dass so zusätzliche und nötige Radwege entstehen könnten.

Kritik von der CDU und FDP

Die Fraktionen der CDU und FDP machten sich die Kritik der Altstadt-Kaufleute zu eigen: Ihnen gingen manche Sperrungen zu weit. Auch müssten die Parkhäuser weiterhin gut erreichbar sein.

Zwar sei die CDU einverstanden, dass durch die Verminderung des Verkehrs die Einkaufszone attraktiver werde, gleichwohl müsse man auch immer bedenken, dass dadurch Nebenstraßen stärker belastet werden.

Testphase mit Augenmaß

Der Bielefelder Verkehrsverein fordert eine Testphase mit Augenmaß. Die Sperrungen von einigen Straßen verbunden mit gastronomischen Konzepten und Erlebnismeilen seien daher eine Chance, die Altstadt auch für Besucher attraktiver zu machen, heißt es in einer Mitteilung. Gleichzeitig müsse die Altstadt aber für den Lieferverkehr offen bleiben.

Nach Auswertung der Testphase des Bielefelder-Projekts könnte im Frühjahr 2022 eine dauerhafte Umsetzung der Maßnahmen beschlossen und ab Sommer umgesetzt werden.

Stand: 27.05.2021, 21:27