"Radio Wartezimmer" für Patienten in Wenden

Radio statt Wartezimmer 03:17 Min. Verfügbar bis 21.10.2021

"Radio Wartezimmer" für Patienten in Wenden

Von Matthias Heise

Ein Hausarzt aus Wenden im Kreis Olpe hatte eine originelle Idee, um Patienten in der Corona-Krise das Warten zu erleichtern. Im Interview verrät er seine Beweggründe.

Wegen Corona können aktuell viele Ärzte ihre Wartezimmer nicht voll besetzen. Die Folge: Die Patienten müssen draußen warten - meist vor der Tür in der kalten Luft.

In Wenden-Hünsborn ist das nicht so. Dort hören sie entspannt in ihrem Auto "Radio Wartezimmer" auf der UKW-Frequenz 96,8, um via Radio in die Praxis von Hausarzt Stefan Spieren gerufen zu werden. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

WDR: Wie sind Sie darauf gekommen?

Arzthelferin beim Kontaktieren des Patienten in seinem Auto

Wer dran ist, wird per Autoradio aufgerufen

Stefan Spieren: "Ganz einfach. Ich wollte Patienten etwas bieten, damit sie bei schlechter werdendem Wetter nicht draußen warten müssen. Unsere Wartezimmer können wir ja nur sehr eingeschränkt nutzen. Viele kennen so etwas ähnliches durch das Autokino. Da ist der Ton auch im Autoradio zu hören."

WDR: Was sind die Vorteile?

Spieren: "Wir haben nach einer Lösung gesucht, bei der unsere Mitarbeiter*innen nicht noch mehr belastet werden. Vorteile sind, dass die Patienten bequem in ihren Autos warten können. Alle Patienten machen vorher Termine und werden dann über die Frequenz 96,8 aufgerufen. Anonym. Also 'Der 10 Uhr-Termin kann bitte reinkommen'. Weiterer Vorteil: Es gibt weniger Kontakte zum Praxispersonal."

Stefan Spieren betreibt mit Frau und Kollegen eine Hausarztpraxis in Wenden-Hünsborn im Kreis Olpe. Der Facharzt für Allgemeinmedizin und Allgemeinchirurgie ist Lehrarzt der Universitäten Düsseldorf, Göttingen, Köln und Witten-Herdecke. Außerdem ist er stellvertretender Leiter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe im Bezirk Lüdenscheid.

WDR: Wie wird das angenommen von den Patienten? Kommt jeder damit klar?

Hausarzt Stefan Spieren als Studiogast in der Lokalzeit Südwestfalen

Stefan Spieren hat in der Lokalzeit über seine Idee gesprochen

Spieren: "Autokino kennen viele und UKW kennen gerade die älteren Menschen. Die wissen dann auch, wie man eine bestimmte Frequenz manuell einstellt."

WDR: Wie schwierig war es, "Radio Wartezimmer" on air zu bringen?

Das Frequenzgerät der Praxis

Der eigene Radiosender war schnell gebaut

Spieren: "Das war einfach. Ein befreundeter Techniker hat mir bei der Hardware geholfen. Man braucht eine kleine Box, die die Frequenz 96,8 bereitstellt. Dann haben wir das mit unserer Telefonanlage gekoppelt und schon geht das. Das kostet rund 50 Euro für die Geräte."

WDR: Ist das etwas für jeden Hausarzt?

Hausarzt Stefan Spieren im Gespräch mit einem Patienten

Für Patienten ist "Radio Wartezimmer" eine Erleichterung

Spieren: "Ich glaube, das ist gut geeignet für Hausärzte im ländlichen Raum oder diejenigen, die Parkplätze direkt vor der Praxis haben. Der Sender reicht nämlich nur gut 20 Meter weit. Aber insgesamt? Ja. Denn die Patienten müssen nicht bei Wind und Wetter draußen warten. Das ist für jeden Arzt geeignet."

WDR: Was gibt es für Alternativen und wie praktikabel ist das?

Spieren: "Der Oberbegriff ist ja 'Patienten-Rufsysteme'. Das sind die, die man aus dem Restaurant kennt, wenn man auf sein Essen wartet. Die haben den Nachteil, dass der Patient ja vorher einmal das Praxispersonal kontaktieren muss. Dann nimmt er den Summer mit, muss ihn wieder abgeben. Dann muss er desinfiziert werden. Weitere Alternativen wären, die Patienten anzurufen oder per SMS zu informieren. Aber auch damit belaste ich das Praxispersonal mit Mehraufgaben. Deswegen ist die Radiolösung ideal."

Das Interview führte Matthias Heise.

Stand: 20.10.2020, 18:37