Quarantäne und Versorgung der Tönnies-Arbeiter sicherstellen

Tönnies-Subunternehmer zum Gespräch in Rheda-Wiedenbrück

Quarantäne und Versorgung der Tönnies-Arbeiter sicherstellen

  • Stadt Rheda sieht Subunternehmer in der Pflicht
  • 1.300 Adressen von Tönnies-Mitarbeitern
  • Soldaten sollen Quarantäne überwachen

Die Stadt Rheda-Wiedenbrück hat in einem Krisengespräch mit den Tönnies-Subunternehmern geklärt, wie die Versorgung der Tönnies-Mitarbeiter in Quarantäne gesichert wird. Im Gespräch mit dem WDR erklärt Bürgermeister Theo Mettenborg (CDU), dass alle 13 Subunternehmer die Bereitschaft erklärt hätten, ihre Mitarbeiter zu versorgen.

Pflicht der Subunternehmer: Versorgungssicherheit

"Ich erwarte sehr konkret Aussagen der Dienstleister, wie sie die Verpflegung und Versorgung ihrer Mitarbeiter für die Dinge des alltäglichen Lebens, Lebensmittel, sicher stellen", so Mettenborg vor dem Treffen zum WDR. Es sei eine ganz klare Pflicht und angeordnete Vorgabe des Kreises Gütersloh, dass die Dienstleister die Verpflegung ihrer Mitarbeiter sicherstellen, damit die in der häuslichen Quarantäne verbleiben können.

Da außerdem geklärt sein muss, dass nur Menschen ohne Infektionen die Kollegen versorgen, stellt die Stadt Bescheinigungen für die aus, die Botendienste erbringen. Damit könnten sie sich auch bei Kontrollen ausweisen, so Mettenborg.

1.300 Mitarbeiter-Adressen im Kreis Gütersloh

Allein in Rheda-Wiedenbrück sind 308 Werksvertrags-Arbeiter in 117 Wohneinheiten in Quarantäne. Insgesamt gebe es 1.300 Adressen, an denen Tönnies-Mitarbeiter leben, teilte Landrat Sven-Georg Adenauer am Samstag (20.06.2020) in einer Pressekonferenz mit. Erst nachdem der Arbeitsschutz im Werk die Listen eingefordert habe, sei diese Zahl bekannt. Inzwischen sind alle 7.000 Tönnies-Mitarbeiter am Standort Rheda-Wiedenbrück in Quarantäne.

Kreis Gütersloh will Werksvertrags-Arbeitern helfen

Seit Freitagabend (19.06.2020) gibt es in den sozialen Medien Diskussionen darüber, dass sich sowohl Angestellte von Tönnies als auch Werksvertrags-Arbeiter in den Sammelunterkünften nicht an die Auflagen hielten. Rheda-Wiesenbrücks Bürgermeister Theo Mettenborg bestätigte dem WDR, dass auch diese Wahrnehmung von Bürgern ein Anlass für das heutige Gespräch mit den Vertretern der Leiharbeitsfirmen sei.

Dreisprachige Informationen

Der Kreis Gütersloh will betroffene Werksvertragsnehmer unterstützen und außerdem sicherstellen, dass Informationen und Quarantänemaßnahmen bei allen ankommen, verstanden und eingehalten werden. Dafür wurden inzwischen mehr Dolmetscher angeworben, eine Hotline eingerichtet und ein Flyer in drei Sprachen ausgegeben.

Unterbringung Infizierter in leeren Wohnungen

Soldat vor Tönnies-Schlachthof

Die Kommunikation mit ausländischen Werkvertragsmitarbeitern würde durch zusätzliche Dolmetscher unterstützt, so der Leiter des Krisenstabs im Kreis Gütersloh, Thomas Kuhlbusch. Er betonte außerdem, dass es eine große Herausforderung sei, zuerst die Mitarbeiter in ihren Unterbringungen zu finden und anschließend Infizierte aus den oft beengten Wohnverhältnissen herauszuholen. Dies gelte auch für deren Familien oder andere Kontaktpersonen. Dafür habe der Kreis Gütersloh jetzt auch leere Mietwohnungen zur Verfügung, die das Unternehmen Tönnies angemietet habe.

Bundeswehr unterstützt den Kreis

Für die Überwachung der Quarantäne hat der Kreis Gütersloh weitere Kräfte bei der Bundeswehr angefordert. Sie sollen als sogenannte "Corona-Scouts" die Maßnahmen kontrollieren, ehrenamtliche Helfer bei den Tests und Mobile Teams bei der Dokumentation unterstützen. Samstag sind 65 Soldaten im Kreis Gütersloh eingesetzt. Darüber hinaus soll auch die Polizei die Kräfte der Ordnungsämter unterstützen, teilt der Kreis Gütersloh mit.

Fleischindustrie: Veränderung steht an

WDR 5 Morgenecho - Interview 20.06.2020 07:48 Min. Verfügbar bis 19.06.2021 WDR 5


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Stand: 20.06.2020, 16:18