Prozessauftakt gegen so genannten "Führerscheinkönig von Detmold"

Der selbsternannte "Führerscheinkönig" steht in Detmold vor Gericht

Prozessauftakt gegen so genannten "Führerscheinkönig von Detmold"

  • Prozessauftakt gegen Detmolder "Führerscheinkönig"
  • 648 Geschädigte warteten vergeblich auf EU-Führerscheine
  • Schaden: Mehr als 860.000 Euro

Am Detmolder Landgericht musste sich am Morgen der selbsternannte "Führerscheinkönig von Detmold" verantworten. Die Staatsanwaltschaft unterstellt Rolf H. Betrug in großem Stil. Die Verteidigung hat zu Prozessbeginn am Mittwoch (04.12.2019) beantragt, dass Namen und Anschriften aller 648 Geschädigten vorgelesen werden müssen. Wegen der großen Zahl an Delikten, die dem Angeklagten vorgeworfenen werden, sind für den Prozess bis Ende Mai 2020 vorsorglich 40 Verhandlungstage angesetzt.

Anklage: Voraussetzungen für EU-Führerscheine lagen nicht vor

Die Masche des Detmolders laut Anklage: Er soll Autofahrern, die ihren deutschen Führerschein verloren hatten, im Internet die Vermittlung eines EU-Führerscheins aus Großbritannien angeboten haben - und entsprechende Formulare gleich dazu. Doch der Plan habe schon von Vornherein nicht klappen können, so die Staatsanwaltschaft heute. Denn die britischen Behörden hätten die Anträge nie anerkannt, schon gar nicht ohne persönliches Erscheinen und ohne nötige Übersetzung. Das habe Rolf H. gewusst.

Angeklagter soll keine Gegenleistung erbracht haben

648 gutgläubige Kunden sollen dem Detmolder auf den Leim gegangen sein und ihm jeweils bis zu 1.600 Euro gezahlt haben; insgesamt soll er mehr als 860.000 Euro kassiert haben, ohne jemals einen Führerschein oder eine andere Gegenleistung zu erbringen. Außerdem sollen der 51-Jährige und seine Frau mehr als 900.000 Euro Steuern hinterzogen haben, weil er sein Geschäft zum Schein in Tschechien angemeldet haben soll.

Verteidigung: Rolf H. hat nur Formalitäten abgewickelt

Die Verteidigung sieht den Fall anders. Rolf H. habe den Kunden nie einen Führerschein versprochen, sondern nur die Abwicklung der Formalitäten, um im Ausland eine Fahrprüfung zu machen und womöglich dort einen Führerschein zu erlangen. H. habe nur eine Lücke im EU-Recht ausgenutzt.

Stand: 04.12.2019, 14:37