Prozess gegen Physiotherapeuten: späte Plädoyers in Bielefeld

Die Angeklagten und ihre Anwälte

Prozess gegen Physiotherapeuten: späte Plädoyers in Bielefeld

  • Staatsanwaltschaft fordert Haft und Berufsverbot
  • Vorwurf: 40 sexuelle Übergriffe an 6- bis 12-jährigen Mädchen
  • Missbrauch als Behandlung in Bad Oeynhausen getarnt

Vor dem Landgericht Bielefeld wurden im Prozess gegen einen Physiotherapeuten aus Bad Oeynhausen am späten Dienstagabend (03.012.2019) die Plädoyers gehalten. Dem Mann wird vorgeworfen, über Jahre hinweg in seiner Praxis Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

Plädoyers zu später Stunde

Laut einem Sprecher des Bielefelder Landgerichtes hat die Staatsanwaltschaft dabei vier Jahre Haft und ein vierjähriges Berufsverbot für den Angeklagten gefordert. Außerdem soll ihm die Behandlungserlaubnis für minderjährige Mädchen entzogen werden. Mittwochnachmittag (04.12.2019) soll das Urteil fallen.

Behandlungssituation ausgenutzt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 61-Jährigen insgesamt 44 sexuelle Übergriffe vor, darunter schwerer sexueller Kindesmissbrauch. Die Opfer waren Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Er soll die Opfer gebeten haben, sich ausgezogen auf seine Behandlungsliege zu legen. Dort hat er sie laut Anklage im Intimbereich berührt und Fotos von ihnen gemacht. Zu den Anklagepunkten gehören auch 23 Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern.

Tausende kinderpornografische Dateien

Darüber hinaus soll er in Besitz tausender, teils selbst gefertigter, kinderpornografischer Bild- und Videodateien sowie Fotoalben gewesen sein. Seine Anwältin hat angekündigt, dass ihr Mandat nicht gestehen werde. Er begründet seine Taten mit einer "speziellen manuellen Therapie". Hierzu will das Gericht einen Sachverständigen hören.

Ehefrau wegen Mithilfe angeklagt

Auch die Frau des Therapeuten ist mitangeklagt: Sie soll Mithilfe geleistet haben, indem sie Eltern der Patientinnen aus dem Behandlungszimmer gelockt haben soll. Außerdem soll sie den Mädchen gegenüber geäußert haben, dass die Missbrauchshandlungen Teil der Physiotherapie seien. Für die Ehefrau des Physiotherapeuten plädierte die Staatsanwaltschaft auf Freispruch.

Ermittlungspanne bei Polizei

Ein Computerexperte hatte bei der Fern-Wartung des PCs des Mannes kinderpornografische Bilder entdeckt. Durch eine Ermittlungspanne bei der Polizei wurden die Räume des Therapeuten aber erst mehr als ein Jahr später durchsucht.

Stand: 03.12.2019, 18:55