Prozessauftakt in Bielefeld gegen Physiotherapeuten

Prozessauftakt in Bielefeld gegen Physiotherapeuten

  • Vorwurf: 40 sexuelle Übergriffe in Bad Oeynhausen
  • Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren betroffen
  • Missbrauch als Behandlung getarnt

Vor dem Landgericht Bielefeld hat am Donnerstag (12.09.2019) der Prozess gegen einen Physiotherapeuten aus Bad Oeynhausen begonnen. Dem Mann wird vorgeworfen, über Jahre hinweg in seiner Praxis Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

Behandlungssituation ausgenutzt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 61-Jährigen insgesamt 40 sexuelle Übergriffe vor. Die Opfer waren Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Er soll die Opfer gebeten haben, sich ausgezogen auf seine Behandlungsliege zu legen. Dort hat er sie laut Anklage im Intimbereich berührt und Fotos von ihnen gemacht. Zu den Anklagepunkten gehören auch 23 Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern.

Tausende kinderpornografische Dateien

Darüber hinaus soll er in Besitz tausender, teils selbst gefertigter, kinderpornografischer Bild- und Videodateien sowie Fotoalben gewesen sein. Seine Anwältin hat angekündigt, dass ihr Mandat nicht gestehen werde. Er begründet seine Taten mit einer "speziellen manuellen Therapie". Hierzu will das Gericht einen Sachverständigen hören.

Ehefrau wegen Mithilfe angeklagt

Auch die Frau des Therapeuten ist mitangeklagt: Sie soll Mithilfe geleistet haben, indem sie Eltern der Patientinnen aus dem Behandlungszimmer gelockt haben soll. Außerdem soll sie den Mädchen gegenüber geäußert haben, dass die Missbrauchshandlungen Teil der Physiotherapie seien.

Ermittlungspanne bei Polizei

Ein Computerexperte hatte bei der Fern-Wartung des PCs des Mannes kinderpornografische Bilder entdeckt. Durch eine Ermittlungspanne bei der Polizei wurden die Räume des Therapeuten aber erst mehr als ein Jahr später durchsucht.

Ein Urteil wird Anfang Dezember erwartet.

Stand: 12.09.2019, 13:25