Prozessauftakt: Messerangriff vor Kneipe in Bielefeld
Aktuelle Stunde . 02.03.2026. 14:10 Min.. UT. Verfügbar bis 02.03.2028. WDR. Von Max Meis.
Neue Details nach Messerangriff in Bielefelder Bar bekannt
Stand:
Vor knapp zehn Monaten waren vor einer Bielefelder Bar mehrere Fußballfans von einem Syrer mit Messern attackiert und lebensgefährlich verletzt worden.
Von Martin Höke und Steven Meier
Im Prozess gegen den mutmaßlichen IS-Terroristen Mahmoud M. gibt es neue Details. Ermittler des Bundeskriminalamtes sagten als Zeugen vor Gericht aus, dass der Angeklagte eine Kalaschnikow, sowie zwei Sprengsätze von der Terrororganisation bekommen haben soll. Demnach soll der 36 Jahre alte Syrer auch für eine technische Einheit des IS gearbeitet haben.
Der Auftritt des Angeklagten war mit Spannung erwartet worden. Überraschend war, dass der dreifache Familienvater sein Gesicht nicht hinter einer Mappe versteckte, sondern von der Anklagebank aus ruhig in die Kameras sah.
"In Absprache mit ihm muss er nicht unkenntlich gemacht werden." Lutz Klose, Verteidiger
Mitbewohner ruft die Polizei
Im Prozess wurden inzwischen neue Details zur Flucht des Angeklagten bekannt. So sei ein Handyvideo gezeigt worden, auf dem Mahmoud M. nach der Tat am Boden liegt und von den Anwesenden getreten wurde. Trotzdem gelang ihm die Flucht, während ihn zwei Zeugen verfolgten. Auf der Flucht soll er dann in einem Gebüsch geschlafen haben.
Sein Name war schnell bekannt: Mahmoud M. hatte seinen Rucksack mit persönlichen Dokumenten am Tatort liegen lassen. Überführt wurde er letztendlich von einem Mitbewohner seines Cousins. Beim Besuch des mutmaßlichen Attentäters schöpfte der Mitbewohner Verdacht, sperrte Mahmoud M. ein und rief die Polizei. Spezialkräfte nahmen ihn fest.
Mahmoud M. drohen Haft und Sicherungsverwahrung
Mahmoud M. weiß, was ihn erwartet. Sollte ein psychiatrischer Gutachter ihn auch künftig als Gefahr für die Allgemeinheit einstufen, droht ihm neben lebenslanger Haft auch die Sicherungsverwahrung. Das will sein Verteidiger Lutz Klose verhindern.
Der Angeklagte versteckte sein Gesicht nicht.
Dem 36-Jährigen werden vierfach versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS vorgeworfen. Der Syrer soll sich der Terrororganisation vor zehn Jahren in Syrien angeschlossen haben. Dass Mahmoud M. aber wie angeklagt zuletzt auch an Kampfeinsätzen des IS teilgenommen habe, bestreitet er laut Verteidiger.
Psychiater: Angeklagter bereut die Tat
Im anderen Fall scheint die Schuldfrage aber geklärt. Der 36-Jährige habe den Messerangriff bereits Mitte Oktober einem Gutachter gegenüber gestanden, sagt sein Verteidiger. Das bestätigte am Montag der Psychiater vor Gericht und ergänzte, "dass der Angeklagte seine Tat sehr bereut".
Opfer nächste Woche als Zeugen
Die vier bei der Messerattacke schwerst verletzten Opfer, eine Frau und drei Männer, sind in der nächsten Woche als Zeugen geladen. "Meine drei Mandanten wollen aussagen", erklärt Anwältin Stefanie Höke. "Das gilt auch für meinen Mandanten Chris", betont Anwalt David Volke.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Gespräche mit den Anwälten David Volke und Lutz Klose und Anwältin Stefanie Höke
- dpa
Sendung: WDR.de, Neue Details im Prozess Messerangriff Bielefeld, 03.03.2026, 19:43 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 02.03.2026, 18.45 Uhr
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe Lokalzeit,18.03.2026, 06.31 Uhr