Ex-Sparda-Chef auf der Anklagebank

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Ex-Sparda-Chef auf der Anklagebank

Von Hartmut Vollmari

Der Spesen-Skandal bei der Sparda-Bank in Münster beschäftigt bald das Landgericht Münster. Die Richter haben jetzt die Anklage gegen den ehemaligen Bank-Chef in wesentlichen Punkten zugelassen.

Dem 62-jährigen Enrico Kahl wird Untreue mit einem Millionenschaden vorgeworfen. Er soll private Feiern und Reisen über die Bank abgerechnet haben. Darunter waren der Geburtstag seiner Frau, seine Präsidentschaftsfeier beim örtlichen Rotaryclub, Reisen zu Festspielen nach Bayreuth und zum Oktoberfest nach München.

Drei Akten, StPO und StGB liegen auf einem Tisch

Rund 650 Seiten umfasst die Anklageschrift

Auch soll er für Führungskräfte der Regionalbank teure Auslandsreisen unter anderem nach Barcelona organisiert haben. Reisen, "die überwiegend  Freizeitcharakter hatten", so Gerichtssprecher Steffen Vahlhaus. Rund 630 Seiten umfasst die Anklage nach fünfjährigen Ermittlungen der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld.

Mutmaßlich 1,2 Millionen Euro veruntreut

Blick von oben auf zwei reich verzierte Gebäude im 'Parc Güell' in Barcelona. Dahinter Panoramablick über das Häusermeer der Stadt, bis am Horizont das Meer zu sehen ist.

Zu den Reisezielen gehörte auch Barcelona

Laut Anklage geht es um rund 1,2 Millionen Euro, die der ehemalige Vorstandschef in 210 Einzeltaten veruntreut haben soll. Es geht um Beträge zwischen 50 und 150.000 Euro. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den Schaden sogar auf mehr als zwei Millionen Euro beziffert. Doch 15 Einzeltaten mit einem Schaden von 880.000 Euro hat das Gericht noch nicht zur Anklage zugelassen.

Auch gegen zwei weitere ehemalige Vorstandsmitglieder der Sparda-Bank Münster liegen Anklagen vor. Die beiden mitangeklagten Vorstände sollen wertvolle Geschenke auf Kosten der Bank gemacht haben. Der mitangeklagte ehemalige Aufsichtsratschef soll Enrico Kahl Sonderzahlungen ohne entsprechende Gegenleistung  gewährt haben. 

Mangelnde Kontrolle

Enrico Kahl  wurde 2015 fristlos entlassen, nachdem Führungskräfte die Untreue angezeigt hatten. Die Bankenaufsichtsbehörde Bafin stellte bei der Sparda-Bank Münster daraufhin einen eklatanten Mangel an interner Kontrolle fest.

So hatte der ehemalige Bankchef über einen angestellten Marketingfachmann etwa private Feiern als "Fremdleistungen laut Vereinbarung" abrechnen lassen und sie offenbar selbst gegengezeichnet. Der Ex-Marketingmitarbeiter ist dafür nach einem Geständnis inzwischen wegen Beihilfe zur Untreue zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.

Ermittlungen gegen Aufsichtsräte

Noch immer ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 14 ehemalige Aufsichtsräte der Sparda-Bank, die aus einer Eisenbahner-Genossenschaftsbank entstanden war. Im Aufsichtsrat saßen zumeist altgediente Bahnmitarbeiter. Sie hatten unter anderem über das Gehalt des Vorstandschefs Enrico Kahl zu entscheiden.

Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam von der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld

Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam bezweifelt die Eignung von Aufsichtsräten

Der soll ihnen 400 Euro-Jobs ohne Gegenleistung, Handyverträge und Bahnkarten gewährt haben. "Es ist die Frage ob die Personen überhaupt geeignet waren, ein verantwortungsvolles Amt wie das des Aufsichtsrates überhaupt auszuführen", so Gerald Rübsam von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bielefeld.

Der Prozess gegen Enrico Kahl kann noch im nächsten halben Jahr beginnen. Die Sparda-Bank Münster ist inzwischen mit der Düsseldorfer Sparda-West fusioniert. Der Anwalt des Ex-Bankchefs hat auf Interview-Anfragen nicht reagiert. Das Haus der Familie Kahl wurde für zwei Millionen Euro zwangsversteigert.

Anklage im Sparda-Bank-Skandal zugelassen Lokalzeit Münsterland 20.01.2021 03:12 Min. Verfügbar bis 20.01.2022 WDR Von Detlef Proges, Hartmut Vollmari

Stand: 21.01.2021, 11:54