Getötetes Pflegekind in Plettenberg: Zwölf Jahre Haft

Getötetes Pflegekind in Plettenberg: Zwölf Jahre Haft

  • Pflegevater muss zwölf Jahre ins Gefängnis
  • Pflegekind in Plettenberg zu Tode geschlagen und geschüttelt
  • Leibliche Eltern lehnen Entschuldigung ab

Das Hagener Landgericht hat am Mittwochvormittag (28.08.2019) einen Pflegevater aus Plettenberg wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 30-Jährige seinen anderthalb Jahre alten Pflegesohn im Januar 2019 durch Schläge gegen den Kopf und langes Schütteln getötet hatte.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer zwölfeinhalb Jahre Haft gefordert. Der Pflegevater habe den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen.

Landgericht Hagen

Das Urteil fiel in Hagen

Er sei äußerst roh vorgegangen und habe auch keine Hilfe geholt, als der Junge im Sterben lag, argumentierte der Staatsanwalt. Das warfen ihm auch die leiblichen Eltern als Nebenkläger vor.

Verteidiger ging von Überforderung aus

Die Verteidiger hatten eine Haftstrafe von sieben Jahren gefordert. Ihr Mandant sei nervlich und körperlich überlastet gewesen. Schuld sei auch nicht nur der Angeklagte, sondern auch die Pflegemutter - eine ausgebildete Kinderpflegerin.

Sie sei bei der Betreuung des in seiner Entwicklung zurückgebliebenen Jungen überfordert gewesen. Das hätte auch das Jugendamt feststellen müssen. Es habe total versagt.

Entschuldigung abgelehnt

Drei Menschen stehen nebeneinander

Die leiblichen Eltern des Jungen

Der Angeklagte hatte vor Gericht beteuert, wie Leid ihm alles tue. Er würde gerne alles rückgängig machen, wenn er könne, sagte er mit stockender Stimme. Die leiblichen Eltern lehnten jede Entschuldigung ab. Sie seien unaufrichtig und unglaubwürdig.

Der 18 Monate alte Junge stammte aus einer Gelsenkirchener Familie. Die Stadt hatte das Kind im Juli 2018 aus schwierigen Verhältnissen zunächst vorläufig in Obhut genommen.

Details um getötetes Pflegekind 00:32 Min. Verfügbar bis 10.05.2020

Stand: 28.08.2019, 09:12