Prozessauftakt: 15-Jähriger soll Freund in Wenden erwürgt haben

Tod in Wenden

Prozessauftakt: 15-Jähriger soll Freund in Wenden erwürgt haben

Von Fritz Sprengart

  • Staatsanwaltschaft geht nicht von Mord aus 
  • Nicht öffentliche Gerichtsverhandlung
  • Schule versucht zur Normalität zurück zu finden

Gegen einen Schüler hat am Donnerstag (18.04.2019) vor dem Landgericht Siegen ein Prozess wegen Totschlags begonnen. Angeklagt ist der heute 15-jährige Junge, der im Oktober 2018 seinen 16-jährigen Mitschüler hinter der Gesamtschule Wenden erwürgt haben soll. Er hat die Tat gestanden.

Die beiden waren Freunde, doch der mutmaßliche Täter wollte offenbar mehr als nur Freundschaft. Der Fall aus dem Sauerland hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. "Das ist auch für die Kollegen eine besondere Herausforderung", sagt Gerichtssprecher Sebastian Merk.

Weder Habgier noch Mordlust

Das Opfer wurde bei einer großen Suchaktion von Feuerwehr und Polizei gefunden. Die Staatsanwaltschaft sieht die Tat vorerst nicht als Mord. "Für die Annahme eines Mordes müssen entweder objektive oder subjektive Kriterien erfüllt sein", erklärt Gerichtssprecher Merk. "Zum Beispiel Habgier oder Mordlust. Und davon geht die Staatsanwaltschaft nach den Ermittlungen nicht aus."

Polizeiwagen vor dem Schulzentrum in Wenden

Am Schulzentrum Wenden

Opfer wie mutmaßlicher Täter waren Schüler an der Gesamtschule in Wenden. Schüler und Lehrer haben das Geschehen seither mit Notfallseelsorgern aufgearbeitet. Parallel dazu haben die Lehrer versucht, möglichst schnell wieder zum "normalen" Unterricht zurück zu kommen.

Viele Notfallpsychologen im Einsatz

"Nach den ersten zwei Stunden sind wir wieder ins normale Tagesgeschäft eingestiegen", erklärt Dieter Karrasch. Er ist der stellvertretende Schulleiter der Gesamtschule in Wenden.

"Aber immer mit bis zu 25 Notfallpsychologen, die uns tatkräftig unterstützt haben." Diese schnelle Rückkehr zur "Normalität" sei genau richtig, meint der Hilchenbacher Pastor Herbert Scheckel. "Für die Seele muss es weiter gehen. Sich in eine Katastrophe zu vertiefen, ist nie gut."

Mutmaßlicher Täter hat gestanden

Dem Angeklagten geht es psychisch nicht gut, sagt sein Verteidiger Martin Kretschmer. "Es ist sehr, sehr schwer für ihn, sicherlich für die anderen Verfahrensbeteiligten auch." Den ersten Prozesstag habe er aber gut überstanden.

Strafverteidiger Martin Kretschmer neben dem Eingang zum Landgericht Siegen

Verteidiger Kretschmer

Kretschmer und sein Mandant haben zusammen eine Einlassung geschrieben, die der Anwalt am Donnerstag (18.04.2019) verlesen hat. Darin bekennt sich der 15-Jährige zu der Tat, die er bereits im Vorfeld gestanden hatte.

Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Sechs Prozesstage sind angesetzt.

Prozess gegen Schüler aus Wenden 03:20 Min. Verfügbar bis 18.04.2020

Stand: 18.04.2019, 10:55