Flüchtlinge misshandelt - Prozess gegen 32 Angeklagte

Das undatierte Handout der Polizei zeigt zwei Sicherheitsleute, die in der ehemaligen Siegerland-Kaserne in Burbach (Nordrhein-Westfalen) einen am Boden liegenden Flüchtling misshandeln

Flüchtlinge misshandelt - Prozess gegen 32 Angeklagte

  • 32 Angeklagte sollen in Burbach Flüchtlinge misshandelt haben
  • Bewohner wurden in informelle "Arrestzimmer" gesperrt
  • Prozess in die Siegerlandhalle verlegt

Vier Jahre nach Bekanntwerden der Misshandlungen von Flüchtlingen in der Notaufnahmeeinrichtung Burbach steht der Prozesstermin fest. Das Landgericht Siegen teilte am Donnerstag (11.10.2018) mit, dass sich ab dem 8. November 32 der 38 Angeklagten in einem Massen-Prozess verantworten müssen. Der Prozess findet in der Siegerlandhalle statt und nicht im Siegener Landgericht, weil es dort keinen Saal gibt, der groß genug.

Flüchtlinge in Problemzimmer eingesperrt

Fall Burbach: 38 Angeklagte

Die Unterkunft in der ehemaligen Siegerlandkaserne in Burbach.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten im Alter zwischen 24 und 63 Jahren Straftaten wie Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Nötigung und Diebstahl vor - in wechselnder Tatbeteiligung. Insgesamt geht es um 54 Fälle in den Jahren 2013 und 2014. Beispielsweise sollen Bewohner der Burbacher Flüchtlingsunterkunft in einem sogenannten Problemzimmer eingesperrt worden sein, wenn sie rauchten oder Alkohol tranken.

Bei den Beschuldigten handelt es sich um Mitarbeiter der Unterkunftsleitung, der Sozialbetreuung und des Wachdienstes sowie zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung in Arnsberg, die von den Taten gewusst haben sollen, ohne etwas zu unternehmen.

Handyfotos hatten den Skandal angestoßen

Den Misshandlungs-Skandal angestoßen hatten Handyfotos, die im September 2014 auftauchten. Darauf sollen Wachleute zu sehen sein, die Flüchtlinge auf eine mit Erbrochenem verschmutzte Matratze gezwungen und mit dem Fuß im Nacken ihrer Opfer posiert haben.

Das Motiv für die Misshandlungen in der Notunterkunft war nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft, die Zahl der Meldungen von Zwischenfällen an Polizei- und Ordnungsbehörden niedrig zu halten und den Ruf der Einrichtung nicht zu gefährden.

Sicherheitsdienste werden genauer überprüft

Die Übergriffe von Burbach hatten eine Diskussion um die Qualität und Standards in den NRW-Flüchtlingsunterkünften ausgelöst. Der damalige Heimbetreiber wurde abgelöst. Außerdem nahmen die NRW-Behörden Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten genauer unter die Lupe.

Mehr als 100 bei der Prüfung aufgefallene Wachleute waren danach für den Einsatz in Flüchtlingsunterkünften gesperrt worden, weil sie beispielsweise wegen schwerer Körperverletzung vorbestraft waren oder Ermittlungsverfahren wegen Drogendelikten gegen sie liefen.

Stand: 12.10.2018, 06:36