Missbrauchskomplex Münster: Mutter des Opfers vor Gericht

Die Angeklagte versteckt ihr Gesicht hinter einer Mappe und trägt eine dunkle Cap

Missbrauchskomplex Münster: Mutter des Opfers vor Gericht

Von Heike Zafar

Im Missbrauchskomplex von Münster hat die Staatsanwaltschaft jetzt zehn Jahre Haft für die Mutter des schwer missbrauchten Jungen gefordert. Die 31-Jährige soll von den brutalen Verbrechen an ihrem Sohn gewusst und ihr Kind nicht geschützt haben.

Ihr ehemaliger Lebensgefährte, Adrian V., hatte den heute 11-jährigen Jungen über Jahre vergewaltigt und ihn mindestens fünfzig weiteren Männern zum Missbrauch weitervermittelt.

Absperrband umgibt das Grundstück einer Gartenlaube, einer der Tatorte des vermutlichen Haupttäters im Missbrauchsfall von Münster.

In dieser mittlerweile abgerissenen Gartenlaube wurde das Kind vergewaltigt

Adrian V., seine Mutter und mehrere Mittäter waren wegen brutaler Gemeinschafts-Vergewaltigungen in Ferienanlagen und in einer Gartenlaube in Münster bereits vom Landgericht zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.

Missbrauchskomplex Münster: Ein Jahr danach Lokalzeit Münsterland 07.06.2021 03:17 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Heike Zafar, Detlef Proges

Mutter soll ihrem Kind nicht geholfen haben

In dem wochenlangen Prozess hatte die Mutter immer bestritten, dass sie von den sexuellen Quälereien gewusst habe. Das Gericht hatte Zweifel daran.

Plädoyers im Missbrauchsfall gegen Mutter

WDR Studios NRW 28.09.2021 00:45 Min. Verfügbar bis 05.10.2021 WDR Online


Polizeifahrzeug steht vor dem Eingang des Landgerichts Münster

Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Jetzt, kurz vor Ende der Gerichtsverhandlung, legte Sabrina K. überraschend ein Teilgeständnis ab. Sie habe ab Oktober 2019 für möglich gehalten, dass ihr Lebensgefährte Adrian V. ihren Sohn vergewaltigt. Sie habe die Beziehung aber nicht beenden können.

Von den Taten der anderen Männer soll sie nach jetzigem Stand nichts gewusst haben. Aber "sie soll mitgewirkt und selber aktiv Taten begangen haben", sagt Richterin Cornelia Hansen. "Sie soll auch ihren Sohn ermutigt haben, Taten zu begehen."

Verdacht konnte erhärtet werden

Sabrina K. war neun Monate nach ihrem Lebensgefährten Adrian V. und dessen Mutter verhaftet worden. Die Polizei konnte den lange schwelenden Verdacht gegen sie erst durch die Aussage eines inzwischen verurteilten Mittäters aus Aachen und nach Computer -Auswertungen erhärten.

Jugendamt hatte die Mutter gewarnt

Die Eingangstür des Jugendamts in Münster. Darauf steht "Amt für Kinder, Jugendliche und Familie" dazwischen drei Puzzleteile.

Das Jugendamt hatte die Mutter informiert

Sabrina K. hat gewusst, dass ihr Lebensgefährte schon zweimal wegen Verbreitung von Kinderpornographie verurteilt worden war. Das Jugendamt der Stadt Münster hatte sie gewarnt und war offenbar davon ausgegangen, dass die Mutter ihr Kind schützt.

Ein fataler Irrtum:  Statt ihren Lebensgefährten auf Abstand zu halten, hatte Sabrina K. ihm weitreichende Rechte schriftlich übertragen. So kümmerte sich der Pädophile Adrian V. um die schulischen Dinge und hielt Kontakt zu den Lehrern. Am ersten Prozesstag wurde eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Münster als Zeugin vernommen.

Missbrauchskomplex: Jugendamt-Gutachten zu Adrian V. Lokalzeit Münsterland 05.02.2021 02:38 Min. Verfügbar bis 05.02.2022 WDR Von Hartmut Vollmari, Detlef Proges

Urteil Ende September erwartet

Nach Ermittlungen der Polizei wurde das Kind von Sabrina K. von mehr als 50 Männern vergewaltigt. 30 weitere Kinder sollen Opfer des pädo-kriminellen Netzwerks rund um Adrian V. geworden sein.

Eine Zeichnung der Situation vor Gericht

Sabrina K. schweigt bislang zu den Vorwürfen

Der Prozess findet zum Schutz der Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mit einem Urteil wird Ende September gerechnet.

  

Urteil im Missbrauchskomplex Münster Lokalzeit Münsterland 06.07.2021 02:50 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Heike Zafar

Lokalzeit – Im Namen der Kinder | Hilfe für Opfer sexueller Gewalt Lokalzeit 05.11.2020 44:09 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Heike Zafar, Detlef Proges

Stand: 28.09.2021, 18:54