Bad Berleburger Gullydeckel-Prozess: Lokführer bestreitet Tat

Lokführer soll Anschlag vorgetäuscht haben 01:34 Min. Verfügbar bis 18.09.2021

Bad Berleburger Gullydeckel-Prozess: Lokführer bestreitet Tat

Von Gaby Rosenkranz

Wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr steht seit Freitag ein Lokführer vor dem Amtsgericht Bad Berleburg. Er soll einen Anschlag auf seinen Zug inszeniert haben.

Der damals 49-jährigen Lokführer hat am ersten Verhandungstag geschwiegen. In den Vernehmungen zuvor hatte er die Tat bestritten. Er soll im April 2019 Gullydeckel an Seilen an einer Brücke bei Bad Berleburg befestigt haben. Die Gullideckel hingen dann vor der Brücke in der Luft. Danach sei er absichtlich dagegen gefahren.

Die herabbaumelnden Gullydeckel krachten frontal in den Zug der Regionalbahn-Linie 93 der Hessischen Landesbahn und schlugen ein großes Loch in die Windschutzscheibe des Fahrerhauses. Der angeklagte Lokführer blieb unverletzt.

Polizist als Zeuge

15.04.2019,Siegen: Ein Zug der Hessischen Landesbahn steht mit zerstörter Frontscheibe in der Werkstatthalle in Siegen.

Die Gullydeckel richteten schwere Schäden an

Der Beamte war damals als erster vor Ort. Ihm sei aufgefallen, dass der Lokführer nicht verletzt gewesen sei, berichtet der Polizist vor Gericht. Außerdem habe der Lokführer zwar erschrocken aber nicht so geschockt gewirkt, wie man es vermuten würde. Auch seine Kollegen hätten das merkwürdig gefunden.

Ermittler gingen von Mordanschlag aus

Der Vorfall in Wittgenstein hatte für großes Aufsehen gesorgt, weil die Ermittler zunächst von einem Mordanschlag ausgegangen waren.

13.04.2019, Bad Berleburg: Ein Zug der Hessischen Landesbahn fährt unter einer Brücke durch.

In so einen Zug der Linie RB93 krachten die Gullydeckel

Laut Polizei hatte der Lokführer angegeben, er habe sich weggeduckt, als die Gullydeckel in die Scheibe einschlugen. Nur dadurch sei ihm nichts passiert. Er war zum Zeitpunkt des Vorfalls ohne Fahrgäste in dem Zug unterwegs.

DNA-Spuren führen zum Lokführer selbst

Im Verlauf der Ermittlungen geriet der Lokführer selbst unter Verdacht. Es wurden DNA-Spuren an den Seilkonstruktionen sichergestellt. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler Schneidewerkzeuge, Handschuhe und ähnliche Knoten wie an der Gullydeckel-Konstruktion am Brückengeländer.

Amtsgericht Bad Berleburg

Verhandelt wird am Amtsgericht Bad Berleburg

Das Motiv für die Tat ist noch völlig unklar. Zwei Gutachter werden im Prozess dazu gehört. Ein Urteil soll Anfang Oktober fallen.

Stand: 18.09.2020, 17:10