Kindesentführung und Missbrauch: Junge Frau sagt aus

Prozess im Fall Maria

Kindesentführung und Missbrauch: Junge Frau sagt aus

  • Nebenklägerin Maria H. aus Freiburg will aussagen
  • Als Minderjährige jahrelang mit Angeklagtem untergetaucht
  • Vorwurf: Kindesentziehung und sexueller Missbrauch

Im Prozess wegen Kindesentführung und 108-fachen sexuellen Missbrauchs wird am Montag (13.05.2019) die Aussage der 19-jährigen Nebenklägerin Maria H. erwartet. Sie war ab 2013 als Minderjährige mit dem Angeklagten Bernhard H. aus Blomberg ins Ausland geflüchtet, nachdem beide eine heimliche Beziehung eingegangen waren.

Anklage: Kindesentzug und schwerer sexueller Missbrauch

Der Prozess gegen den Mann aus dem Kreis Lippe hat am Mittwoch (08.05.2019) vor dem Landgericht in Freiburg begonnen. Der 58-jährige Elektriker war seit 2013 fünf Jahre lang mit der damals minderjährigen Maria H. untergetaucht. Laut Anklage soll er sie in 108 Fällen sexuell missbraucht haben, so Staatsanwältin Nicola Novak.

Aussagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Bernhard H. räumte ein, mit Maria untergetaucht gewesen zu sein. Während der Aussage von Bernhard H. hatte das Freiburger Landgericht die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten zu schützen.

Maria und ihre Mutter waren zum Prozessauftakt als Nebenkläger im Saal, wollten sich aber nicht öffentlich äußern.

Heimliche Liebesbeziehung mit einer 13-Jährigen

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt: Nachdem die beiden sich 2011 im Internet kennengelernt und eine Zeit lang geschrieben hatten, waren sie eine heimliche Liebesbeziehung eingegangen und hatten sich laut Anklage im Mai 2013 ohne Wissen und Einwilligung von Marias Eltern ins Ausland abgesetzt. Die Schülerin war damals erst 13 Jahre alt.

Vorwurf: Minderjährige in Abhängigkeit und Isolation gebracht

Die Anklage wirft Bernhard H. neben mehrfachem Missbrauch auch Kindesentführung vor; außerdem soll er dem Mädchen Kontakte zu anderen Personen verboten haben. Nötige Medikamente habe er verweigert. Auch eine Schule habe Maria, die in Freiburg auf ein Gymnasium ging, nicht besucht. Maria sei von Bernhard H. abhängig gewesen.

Festnahme in Italien

Laut Staatsanwaltschaft lebten beide nach ihrem Verschwinden zunächst mehrere Monate lang in Polen. Anschließend reisten sie durch verschiedene osteuropäische Länder, bevor sie sich jahrelang auf Sizilien aufhielten. Dort wurde Bernhard H. auch im Oktober vergangenen Jahres in einem leerstehenden Haus gefasst. Maria war kurz zuvor – inzwischen volljährig – zu ihrer Familie nach Freiburg zurückgekehrt.

Bernhard H. droht Sicherungsverwahrung

Die Staatsanwaltschaft Freiburg erwägt, für Bernhard H. Sicherungsverwahrung zu beantragen. Ein psychiatrischer Gutachter soll beurteilen, inwieweit die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Bernhard H. ist nicht vorbestraft. Bei Kindesentzug drohen laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre Haft, in schweren Fällen bis zu zehn Jahre.

Stand: 13.05.2019, 10:27