Urteil nach tödlichem Fahrradunfall in Soest

Prozess nach tödlichem Fahrradunfall 00:49 Min. Verfügbar bis 21.06.2020

Urteil nach tödlichem Fahrradunfall in Soest

  • Lkw-Fahrer vor Soester Amtsgericht angeklagt
  • Zwölfjähriger Fahrradfahrer bei Unfall getötet
  • Seitdem viele Veränderungen im Soester Verkehr

Das Amtsgericht Soest hat einen Lastwagenfahrer am Freitag (21.06.2019) zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe und 3.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Er hatte in Soest beim Abbiegen einen jungen Radfahrer übersehen. Bei dem Unfall war ein 12-Jähriger getötet worden.

Der Lkw-Fahrer habe den Jungen fahrlässig getötet, so das Urteil des Gerichtes. Wenn er sich langsamer in die Kreuzung hereingetastet - und vorher in den Rückspiegeln den Verkehr genauer beobachtet hätte, könnte das Kind noch leben.

Als er im November 2017 mit seinem Lastwagen an einer Ampelkreuzung rechts abbiegen wollte, hatte er einen neben ihm stehenden zwölfjährigen Fahrradfahrer übersehen und überfahren. Der Junge, Gabriel, starb noch an der Unfallstelle.

Alle Ampeln auf dem Prüfstand

Kreuzung, an der der Fahrradunfall geschah

Die Unfallkreuzung in Soest

Der Unfall hatte ganz Soest aufgeschreckt. Alle Soester Ampelschaltungen wurden seitdem überprüft. Einige Ampeln geben jetzt Radfahrern einige Sekunden früher grün, um Unfälle zu vermeiden.

Direkt an der Unfallkreuzung wurden außerdem die Haltestreifen verändert. Radfahrer können weiter in die Kreuzung fahren als Autos und Lastwagen. Die Radler stehen also vor den Fahrzeugen, werden so besser von den Fahrern gesehen.

Kampf gegen den "toten Winkel"

großer Spiegel ist an Ampel befestigt

Nach dem Unfall wurden Spiegel aufgehängt

Eine Privatinitiative ließ außerdem Spiegel aufhängen, um den "toten Winkel" zu überbrücken. An Soester Grundschulen wird gezeigt, wie gefährlich abbiegende Lastwagen sind und dass man sicherheitshalber hinter ihnen warten soll, statt vorbei zu fahren.

Direkt nach dem Unfall hatte sich der Vater von Gabriel in einem ergreifenden Brief an die Öffentlichkeit gewandt. "Tun Sie alles, damit so etwas nie wieder passiert", appellierte er eindringlich an Stadt und Verwaltung: "Lassen Sie meinen Engel Gabriel nicht umsonst gestorben sein!"

Vater des Zwölfjährigen enttäuscht

Alexy Graf hatte bei Freunden und Verwandten Geld gesammelt, damit die Spiegel an den Ampelanlagen angebracht werden können. Kurz vor dem Prozessbeginn zeigt sich Gabriels Vater im WDR-Gespräch enttäuscht.

Vieles gehe zu langsam. Er habe gehofft, dass viel schneller die gefährlichen Kreuzungen sicherer gemacht werden können.

Stand: 21.06.2019, 07:36