Prozessauftakt: Misshandlungen in Burbacher Flüchtlingsunterkunft

Ein Angeklagter verdeckt sein Gesicht mit einer Mappe

Prozessauftakt: Misshandlungen in Burbacher Flüchtlingsunterkunft

  • Misshandlung von Flüchtlingen in Flüchtlingsheim
  • 29 ehemalige Wachdienstmitarbeiter auf der Anklagebank
  • Anklageschrift über 150 Seiten lang

Nach gut drei Stunden ist am Donnerstagnachmittag (08.11.2018) der erste Verhandlungstag im Prozess um den Skandal in der Burbacher Asylunterkuft zu Ende gegangen. Insgesamt müssen sich 29 Angeklagte wegen der Misshandlung und Demütigung von Flüchtlingen verantworten.

Die Übergriffe sollen von Dezember 2013 bis September 2014 vor allem in mehreren Problemzimmern stattgefunden haben, in denen Bewohner des Heimes bei Verstößen gegen die Hausordnung eingesperrt wurden. Diese Problemzimmer sollen laut Anklage eingerichtet worden sein, um Flüchtlinge zu sanktionieren und einzuschüchtern, um so Ruhe im überfüllten Flüchtingsheim zu haben.

Oberstaatsanwalt Christian Kuhli: "Die Verantwortlichen wollten möglichst wenig Polizeieinsätze, um den Heimbetreiber European Homecare, die Notaufnahmeeinrichtung selbst und das Personal gut dastehen zu lassen."

Geständnisse von Angeklagten erwartet

Anklagebank in der Siegerlandhalle

Nach Vorgesprächen zwischen Gericht, Staatsanwalt und einigen Angeklagten und ihren Verteidigern haben zwei Angeklagte ein Geständnis angekündigt. Kommt es dazu, hat das Gericht in einem Fall eines angeklagten Sozialbetreuers eine Bewährungsstrafe von 6 bis 18 Monaten und für einen nicht aktiv an den Taten beteiligten Wachmann eine Geldstrafe in Aussicht gestellt.

Die Prozessbeteiligten gehen von einer langen Beweisaufnahme aus. Ein Rechtsanwalt vermutet, dass sich das Verfahren bis 2020 hinziehen werde. Bisher sind 23 Sitzungstermine bis Mai 2019 festgelegt. Der nächste Verhandlungstag findet am Mittwoch (14.11.2018) statt.

Stand: 08.11.2018, 15:56