Baby im Müll: Mutter aus Kierspe gesteht vor Gericht

Baby im Müll: Mutter aus Kierspe gesteht vor Gericht

  • Schwangerschaft und Geburt verheimlicht
  • Polizisten finden Müllbeutel in Kierspe im Gebüsch
  • Finanzielle Sorgen mögliches Motiv

Am Freitag (22.11.2019) hat eine Mutter aus Kierspe am Landgericht Hagen gestanden, dass sie ihre neugeborene Tochter in einem Müllsack ausgesetzt hat. Sie soll das Baby im Juni 2019 heimlich zur Welt gebracht haben.

Der Verteidiger nennt als Grund für die Tat Überforderung der Frau, die bereits ein Kleinkind hat. Offenbar habe die erste Geburt zu psychischen Problemen geführt.

Mutter wollte das Kind wohl loswerden

Die Anklageschrift bringt grausige Details ans Licht. Demnach hat die 31jährige bereits zu Beginn der Schwangerschaft im Internet nach Tipps gesucht, wie man ein Baby im Mutterleib töten kann.

Ermittler haben ihr Handy und andere elektronische Geräte ausgewertet. Außerdem soll die Frau ihrem Verlobten, mit dem sie bereits ein damals einjähriges Kind hat, einen gefälschten, negativen Schwangerschaftstest vorgelegt haben.

Finanzielle Sorgen als Motiv

Kierspe Baby

Der Müllsack lag in einem Gebüsch.

Warum das zweite Kind nicht erwünscht war, hat offenbar finanzielle Gründe. Das Paar soll kurz zuvor eine Wohnung gekauft und dabei so knapp kalkuliert haben, dass eine Berufstätigkeit der Frau dringend erforderlich war.

Im Prozess hat die Angeklagte die Tat über ihre Anwälte gestanden. Weiter wollte sie sich zunächst nicht äußern. Ihre Eltern machten keine Angaben, ebenso der Verlobte.

Zeugin will Schwangerschaft bemerkt haben

Die Schwester des Verlobten sagte allerdings aus, sie habe die Angeklagte mehrfach auf eine Schwangerschaft angesprochen, weil ihr Bauch immer größer geworden sei. Die Angeklagte habe aber behauptet, sie habe einfach nur Gewicht zugenommen.

Der Frau drohen zwischen zwei und knapp über elf Jahren Haft. Das Urteil wird für Ende Dezember erwartet.

Ärzte im Krankenhaus riefen die Polizei

Die 31-jährige Frau kam damals gegen ihren Willen ins Krankenhaus - ihr Verlobter hatte den Rettungswagen wegen starker Unterleibsblutungen gerufen. Die Ärzte entschieden sich für eine Notoperation und stellten fest: Die Frau muss kurz zuvor ein Kind auf die Welt gebracht haben. Sie bestritt das.

Die Ärzte informierten damals sofort die Polizei. Zwei Beamtinnen fanden neben dem Haus der Frau das Baby. Es lag in einem zugeknoteten Plastiksack mit Hausmüll in einem Gebüsch. Das Mädchen war etwa drei Stunden alt, stark unterkühlt und der Sauerstoff in dem Sack wurde bereits knapp.

Neugeborenes in Kierspe gefunden 01:40 Min. Verfügbar bis 17.06.2020

Stand: 22.11.2019, 07:01