Prozess in Bielefeld: Arzt bestreitet, Patientinnen vergewaltigt zu haben

Vordereingang des Landgerichts Bielefeld

Prozess in Bielefeld: Arzt bestreitet, Patientinnen vergewaltigt zu haben

Von Oliver Köhler

Ein Gütersloher Anästhesist steht in Bielefeld vor dem Landgericht. Ihm wird vorgeworfen, Patientinnen betäubt und dann vergewaltigt zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe.

Neben dem 43-jährigen Arzt ist auch dessen Ehefrau angeklagt. Sie soll gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen haben. Bei einer Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihren Mann hatte die Polizei eine professionelle Marihuanaplantage entdeckt.

Drei Patientinnen vergewaltigt

Die Anklage listet insgesamt vier Fälle auf. Alle Taten sollen sich im Herbst 2020 ereignet haben. Immer hatte der angeklagte Anästhesist Dienst auf der Intensivstation, bzw. im Operationssaal. Betroffen sind drei Patientinnen, die jeweils mit einem gynäkologischen Notfall ins Sankt Elisabeth Krankenhaus nach Gütersloh gekommen waren und operiert werden mussten.

Der Angeklagte soll die Frauen nach der OP entweder noch im Aufwachraum oder später in ihrem Zimmer vergewaltigt haben. Eine Patientin soll er am selben Tag gleich zweimal missbraucht haben. Der Mediziner habe seine Opfer mit dem Betäubungsmittel Benzodiazepin Midazolam willenlos gemacht, so die Staatsanwaltschaft. Eine Patientin hatte jedoch Verdacht geschöpft, ihrem Mann davon erzählt, der dann die Klinikleitung und die Polizei einschaltete.

Arzt bestreitet die Vorwürfe vehement

Der Prozess war neu begonnen worden, weil ein Schöffe schwer erkrankt war und ersetzt werden musste. Beim erneuten Auftakt bestritt der Angeklagte die Vergewaltigungsvorwürfe. In zwei Fällen habe er ein Alibi. Laut der polizeilichen Ermittlungsakte kann sich jedoch niemand aus dem Pflegepersonal erinnern, dass er an den behaupteten anderen Orten gewesen ist, so der Richter.

Im dritten Fall, so der Angeklagte, passe die von der Patientin gemachten Täterbeschreibung definitiv nicht zu ihm. Lediglich im vierten Fall räumte der 43-Jährige ein, die Patientin tatsächlich in ihrem Zimmer aufgesucht zu haben. Jedoch nur, um nach ihrem Wohlergehen zu schauen.

Es droht eine hohe Haftstrafe und Berufsverbot

Die Beweisaufnahme steht noch ganz am Anfang. Zunächst sollen Polizisten gehört werden, die bei der Hausdurchsuchung dabei waren. Sie hatten zahlreiche Bilddateien von sexualisierter Gewalt gegen Kinder auf einem Computer und diversen USB-Sticks gefunden. Den Besitz dieser Dateien stritt der angeklagte Arzt ebenfalls ab.

Ob die betroffenen Patientinnen als Zeuginnen aussagen werden, steht indes noch nicht fest. Der Vorsitzende Richter zweifelte den Sinn schon beim ersten Prozessauftakt vor drei Wochen an. Nach Aktenlage könnten sich die Frauen nicht richtig an die Taten erinnern. Sollte der frühere Narkosearzt verurteilt werden, drohen ihm zwischen 5 und 15 Jahren Haft.

Ehefrau räumt Marihuanaproduktion ein

Seine mitangeklagte Ehefrau wird vermutlich viel glimpflicher davon kommen. Sie räumte ein, Marihuana produziert zu haben. Allerdings aus rein medizinischen Gründen zur Schmerztherapie für einen Verwandten. Ihr Mann habe damit nichts zu tun gehabt.

Wann die Urteile gesprochen werden steht noch nicht fest. Der Prozess ist zunächst bis Ende September 2021 terminiert.

Stand: 21.06.2021, 17:03