Protest gegen Manuscriptum-Verlag in Lüdinghausen

Protest gegen Manuscriptum Verlag in Lüdinghausen Lokalzeit Münsterland 11.10.2021 04:32 Min. Verfügbar bis 11.10.2022 WDR Von Hartmut Vollmari

Protest gegen Manuscriptum-Verlag in Lüdinghausen

Vor dem Verlag Manuscriptum in Lüdinghausen im Kreis Coesfeld haben am Donnerstag rund 90 Menschen an einer Mahnwache teilgenommen. Dazu aufgerufen hatten der Gewerkschaftsbund und die SPD. Der Verlag, der auch Bücher bekannter AfD-Politiker verlegt, will eine gemeinnützige Stiftung werden.

Der Verlag Manuscriptum und der 74-jährige Inhaber Thomas Hoof sind vor vier Jahren von Waltrop nach Lüdinghausen gezogen. Großen Teilen der Bürgerschaft gefällt das gar nicht.

Villa hinter einem Zaun mit Garten

Diese Villa in Lüdinghausen ist Sitz des Manuscriptum-Verlags

Es gibt Kritik an dem, was der Verlag veröffentlicht: Denn neben Gartenbüchern und Landwirtschaftsthemen werden bei Manuscriptum auch immer mehr Titel von rechtskonservativen und rechtsradikalen Autoren verlegt - darunter Björn Höcke, Alexander Gauland und auch der wegen Volksverhetzung rechtskräftig verurteilte Akif Pirinçci.

Zuordnung zu Netzwerk

Björn Höcke

Manuscriptum verlegt auch Titel von Björn Höcke

Der Verlag wird dem Netzwerk der sogenannten neuen Rechten zugeordnet. Denn er verlegt nach Einschätzung von Experten unter anderem völkische und verschwörungstheoretische Titel. Thomas Hoof selbst sieht das anders. Über seinen Anwalt sagte er dem WDR:

"Wir verlegen libertäre und konservative Autoren, die mit Geist, Bildung und Sprachvermögen den herrschenden Tendenzen  widersprechen. Ich würde gern auch intelligenten linken Widerspruch publizieren, den gibt´s bloß nicht." Thomas Hoof
Manuscriptum Verlag

Stiftungspläne von Thomas Hoof

Zunächst gab Thomas Hoof gegenüber dem WDR an, er plane eine „Stiftung zur Förderung von Natur- und Kulturschutz“. Nach den Protesten lässt er anwaltlich erklären, nur sein forst- und landwirtschaftlicher Grundbesitz solle in eine Stiftung überführt werden, nicht aber sein Verlag.* - Damit kann er Steuern sparen und auch Spenden einsammeln.

Metallschild an Mauer

Mit einer Stiftung könnte Thomas Hoof auch Spenden einsammeln

Das wollen SPD und DGB durch öffentlichen Druck verhindern. Denn so eine Stiftung muss zunächst von der Bezirksregierung anerkannt werden. Theoretisch könnte die Behörde eine Stiftung auch untersagen. Dafür gibt es aber hohe rechtliche Hürden.

Mahnwache nach Flugblattaktion

Vor wenigen  Wochen hat Verleger Thomas Hoof in Lüdinghausen einige tausend Hauswurfsendungen verteilt und damit gegen die Kritik an seinem Verlag gewettert. Dabei hat er einige Personen wie den langjährigen DGB-Vorsitzenden im Kreis Coesfeld, Ortwin Swiderski, persönlich angegriffen und verspottet. Das war Anlass für die Mahnwache am Donnerstag. Die Demonstranten wollen erreichen, dass der Verlag den Kreis Coesfeld wieder verlässt. Ihre Befürchtung: In Lüdinghausen könnte ein neues rechtes Zentrum entstehen.

Für die Protestaktion hat Thomas Hoof kein Verständnis: "Die Proteste richten sich gegen das Recht auf Bildung und Ausbildung einer parlamentarischen Opposition." Gemeint sind die AfD-Politiker, deren Bücher er verlegt. Außerdem: Von seinen insgesamt 120 verlegten Autoren seien gerade mal ein halbes Dutzend AfD-nah. Der ganze Protest sei eine Provinzposse.

*Ursprünglich hatten wir berichtet: „Jetzt hat Thomas Hoof angekündigt, aus seinem Verlag eine gemeinnützige Stiftung machen zu wollen.“ Dem hat Thomas Hoof nun widersprochen. - 14.10.2021

Stand: 08.10.2021, 20:00