Siegen: Postkarten-Protest gegen geplante Werksschließung

Siegen: Postkarten-Protest gegen geplante Werksschließung

Der Automobilzulieferer Benteler will seine Niederlassung in Siegen Mitte 2022 schließen. Betroffen wären 270 Mitarbeiter. Die protestieren mit einer Postkartenaktion.

270 Kreuze für 270 verlorene Arbeitsplätze – so und ähnlich haben die Siegener Mitarbeiter von Benteler ihre Postkarten gestaltet. "Siegen heißt verlieren" steht auf einer geschrieben. Der Frust in der Belegschaft sitzt tief. 270 Postkarten gehen an den Firmeninhaber nach Österreich.

"Ich arbeite seit 19 Jahren für die Firma, mein Vater hat es 49 Jahre lang getan", erzählt Mitarbeiter Stephan Mancini. "Benteler ist wie eine Familie, hieß es immer. Jetzt wissen alle, dass das ein Trugschluss war."

Firmenzentrale: Mangelnde Rentabilität in Siegen

Vor einem Monat hatte die Firmenzentrale in Salzburg das Aus für das Siegener Werk verkündet. Die Gründe seien mangelnde Rentabilität und eine sinkende Nachfrage. In Siegen fertigt Benteler Sicherheitskomponenten für KFZ-Karosserien.

Postkarten-Protest

Diese Argumente überzeugen die IG Metall und den Betriebsrat nicht: "Wir glauben, dass wir gezielt in die roten Zahlen getrieben wurden, indem Aufträge an andere Standorte im Ausland vergeben wurden", so Edgar Barkow vom Betriebsrat.

Konzern fährt seit Jahren Sanierungskurs

Benteler beschäftigt weltweit rund 27.000 Mitarbeiter in 30 Ländern. Dazu gehören auch Tschechien, die Slowakei und Ungarn, wo niedrigere Löhnen gezahlt werden. Der Konzern fährt seit Jahren einen Sanierungskurs.

Das haben auch die Mitarbeiter in Siegen erfahren. Sie verzichten schon seit längerem auf Urlaubsgeld und Lohn. Sollte die Konzernspitze bei ihrer Entscheidung bleiben, will man weitere Protestaktionen starten.

Stand: 03.08.2021, 18:53