Bürgerprojekt will NS-Zeit in Oerlinghausen erforschen

Richtfest 1936 des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses am Marktplatz

Bürgerprojekt will NS-Zeit in Oerlinghausen erforschen

Eine kleine Projektgruppe mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern will die Geschichte der lippischen Stadt Oerlinghausen während des Nationalsozialismus aufarbeiten. Das Ganze ist Teil eines bundesweiten Projekts.

Fotos und Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus, Orden, Abzeichen oder alte Gerätschaften - all das könnten Oerlinghauserinnen und Oerlinghauser beisteuern und so zu einer Aufklärung der NS-Zeit in ihrer Stadt beitragen, erklärt Projektleiter Christian Stüber.

Das Geschichtsvorhaben soll mit einem Workshop am 3. November im Saal des Bürgerhauses starten. Bereits am Samstag (16.10.21) können sich Bürger an einem Infostand am Rathausplatz in Oerlinghausen informieren.

Wie konnte ein Unrechtssystem in kleinen Dörfern funktionieren?

Die Menschen in Oerlinghausen sollen ihre persönliche Geschichten im Zusammenhang mit dem Dritten Reich erzählen oder mehr darüber herausfinden können. Deshalb bittet Christian Stüber um Unterstützung:

"Wir wollen möglichst viel dokumentieren, wie ein Unrechtssystem wie der Nationalsozialismus funktionen konnte - vor Ort, in kleinen Dörfern und Städten, wie es war; wie es dazu kommen konnte, dass Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt wurden, bis hin zur Deportation". Die Ergebnisse sollen später öffentlich zu sehen und erleben sein.

Uni Gießen begleitet die Hobby-Historiker wissenschaftlich

Die Universität Gießen begleitet das Projekt wissenschaftlich. Nur wenige Bürger hätten je persönlich die Geschichte des Nationalsozialismus in der eigenen Gemeinde erforscht, erklärt die Projektleiterin Prof. Ulrike Weckel vom Historischen Institut der Gießener Hochschule. Darum sei ein solches Vorhaben besonders wichtig.

Teil eines bundesweiten Forschungsprojekts über die NS-Zeit

Das Projekt in Oerlinghausen wird in erster Linie von der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt getragen; mitmachen aber kann jeder - egal ob Zeitzeugen oder interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Das Ganze ist Teil des bundesweiten Forschungsvorhabens "Das Dritte Reich und wir", in dem Gemeinden die Geschichte ihres Ortes zwischen 1933 und 1945 selbst aufarbeiten. Es wird vom Bundesinnenministerium und der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Bislang wollen 14 Kommunen teilnehmen.

Stand: 15.10.2021, 10:29