Gemeindeabend in Münster nach Eklat um Predigt

Gemeindeabend in Münster nach Eklat um Predigt

  • 120 Menschen bei Gemeindeversammlung in Münster
  • Teilnehmer fordern Konsequenzen nach Eklat um Predigt
  • Weitere Gesprächsrunde im Herbst

Nach dem Eklat um eine Predigt über sexuellen Missbrauch und Vergebung sind am Montagabend (08.07.2019) rund 120 Teilnehmer zu einer Diskussionsveranstaltung in Münster gekommen. Einige forderten die Ablösung des 79-jährigen emeritierten Priesters aus dem Seelsorge-Team der Pfarrei.

Gemeindeversammlung nach umstrittener Predigt

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 09.07.2019 03:41 Min. Verfügbar bis 08.07.2020 WDR 5 Von Heike Zafar

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Viele glauben: Predigt hat Missbrauch verharmlost

In seiner umstrittenen Predigt am Sonntag (30.06.2019) hatte der Geistliche Ulrich Zurkuhlen Vergebung gefordert für Priester, die sexuellen Missbrauch begangen haben. Zurkuhlen als Vertreter der Kirche habe durch diese Äußerungen bei vielen den Eindruck vermittelt, die katholische Kirche wolle Missbrauch durch Priester verharmlosen.

Zurkuhlen bleibt der Aussprache fern

Zurkuhlen selbst nahm am Montagabend in der Heilig Geist-Kirche nicht an der Gesprächsrunde teil - auf eigenen Wunsch, wie es hieß. Münsters Bischof Felix Genn hatte ihn zudem aufgefordert, vorerst nicht mehr zu predigen.

Priester kann Empörung nicht verstehen

Die Kirche Heilig Geist in Münster

Die Kirche Heilig Geist in Münster

Der 79-Jährige hatte seine Predigt in den vergangenen Tagen verteidigt und beklagt, die Kritiker hätten ihm keine Chance gelassen, seine Ausführungen ausführlich und verständlich zu begründen. Dem WDR sagte er vor der Veranstaltung: Sein Predigtthema sei die Vergebung gewesen, und die Empörung danach könne er nicht verstehen. Er hätte es "toll" gefunden, wenn jemand während seiner Predigt die Hand gehoben hätte, um eine Diskussion anzustoßen. "Aber da kollektiv loszubrüllen, ist keine Lösung", so Zurkuhlen wörtlich.

Widerspruch aus der Gemeinde

Die Gemeindemitglieder widersprachen mehrheitlich Schilderungen, wonach es bei dem Sonntagsgottesdienst zu tumultartigen Szenen gekommen sei. Nach diversen und "ruhig vorgebrachten Missfallensäußerungen" hätten etwa 30 Gottesdienstbesucher die Kirche verlassen.

"Opfer müssen im Mittelpunkt stehen"

Der leitende Pfarrer der Gemeinde, Stefan Rau, machte deutlich, dass in der Missbrauchs-Debatte stets die Opfer im Mittelpunkt stehen müssten. Ihnen schulde die Kirche Respekt, Empathie, Solidarität und vor allem Gerechtigkeit. Niemand habe ein Recht auf Vergebung oder könne sie von Gott oder auch von den Opfern verlangen.

Rau zollte der Gemeinde Anerkennung und Respekt, dass sie aufgestanden und "Nein" gesagt habe. Er lud zu einer weiteren Gesprächsrunde im Herbst ein.

Stand: 09.07.2019, 07:28