Uniklinik Münster: Pflegekräfte beklagen Überlastung

Pflegekräfte überlastet: Offener Brief ans Universitätsklinikum Münster Lokalzeit Münsterland 20.11.2020 02:30 Min. Verfügbar bis 20.11.2021 WDR Von Janina Ribeiro

Uniklinik Münster: Pflegekräfte beklagen Überlastung

In einem offenen Brief an die Klinikleitung haben Pflegekräfte der Intensivstationen an der Uniklinik Münster unhaltbare Personal-Engpässe kritisiert. Die derzeitige Dienstplanung sei "patientengefährdend".

Die Arbeits- und Belastungssituation habe sich enorm zugespitzt, weil seit dem 1. Oktober keine Leiharbeitskräfte mehr in der Pflege der Uniklinik eingesetzt werden sollen, heißt es in dem offenen Brief. Trotz der Mehrbelastung seien nun auch noch einzelne Kräfte aus Intensivstationen an andere Stationen versetzt worden, um dort auszuhelfen.

Überlastete Pflegekräfte

Eine alte Dame liegt in einem Krankenhausbett. Viele Gerätschaften und Apparaturen umgeben sie. Links neben dem Bett steht ein Arzt mit einem weißen Kittel.

Pflegekräfte sehen die Patientenbetreuung gefährdet

Wenn die Klinikleitung öffentlich sage, dass eine sichere Versorgung von intensivpflichtigen Corona-Patienten jederzeit gewährleistet sei, spiegelte das "nicht die Realität wider, wenn man bedenkt, dass jedes belegte Intensivbett von überlasteten Pflegenden betreut werden muss."

Inzwischen hätten 59 Intensivpflegekräfte eine Verfügung unterschrieben, die der Klinik untersagen soll, sie in ihrer Freizeit wegen dienstlicher Belange anzurufen. Sie seien nicht mehr bereit, Ausfälle "zulasten ihrer eigenen Ruhezeiten und Gesundheit zu kompensieren." Personalrat Leif Dryden: "Wir können nicht mehr."

Verständnislose Klinikleitung

Der Klinikleitung reagierte am Freitag empört. Ihr fehle das Verständnis, dass der seit Jahren schwelende Konflikt um ausreichendes Pflegepersonal ausgerechnet in dieser Phase der Corona-Pandemie hochgekocht werde. Die Entlassung von Leiharbeitskräften laufe bereits seit April und sei eine Vorgabe der Politik.

Personalschlüssel wird eingehalten

Bis dahin hätten Leiharbeiter nur vier Prozent der Pflegenden ausgemacht. Entlassungen hier seien durch neue Festanstellungen zumindest teilweise kompensiert worden, so Pflegedirektor Thomas van den Hooven. Der Personalschlüssel liege noch immer oberhalb der Mindestgrenze.

Die Intensivpatienten würden adäquat versorgt, auf den Intensivstationen gebe es derzeit noch genug Personal. Deswegen könnten zeitweise auch Kräfte an Stationen abgegeben werden, auf denen akute Engpässe bestünden. Inzwischen haben beide Seiten kurzfristige Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Stand: 20.11.2020, 20:00