Drohbriefe: Pfarrei in Warendorf setzt Belohnung aus

Katholische Stiftskirche St. Bonifatius

Drohbriefe: Pfarrei in Warendorf setzt Belohnung aus

  • Morddrohungen gegen Ehrenamtliche
  • 1.000 Euro für Ergreifung des Täters
  • Hintergrund ist Pfarrei-Fusion

Mit einem ungewöhnlichen Schritt reagiert eine Pfarrei in Warendorf auf die jahrelange Bedrohung eines ehemaligen Pfarrgemeinderatsmitgliedes. Die Kirchengemeinde St. Bonifatius-St. Lambertus hat 1.000 Euro Belohnung für Hinweise ausgeschrieben, die zur Ergreifung eines anonymen Droh-Briefe-Schreibers führen. Der bekämpft seit Jahren die inzwischen längst vollzogene Fusion der Pfarreien St. Bonifatius und St. Lambertus in den Warendorfer Ortsteilen Freckenhorst und Hoetmar.

Drohbriefe seit 14 Jahren

Opfer der inzwischen 14 Jahre währenden Bedrohung ist die damalige Vorsitzende des ehrenamtlichen Rates der Pfarreien in Freckenhorst und Hoetmar, die damals zunächst noch in einer Seelsorge-Einheit zusammenarbeiteten. Seit 2006 wird die Frau aus Hoetmar in anonymen Schreiben mit Beleidigungen und Morddrohungen überzogen. „Wir töten Sie, aber zunächst werden wir Ihnen unvorstellbares Leid zufügen. … Ihren Bauernhof legen wir in Schutt und Asche. … Und dann werden wir Sie hinrichten“, heißt es im jüngsten Brief aus dem Januar.

Unterstützung für Betroffene

In Warendorf, speziell in den beiden damaligen Pfarreien, hat es von Anfang an immer wieder Solidaritätsbekundungen mit der bedrohten Frau gegeben. Auch die jetzt angekündigte Belohnung von 1.000 Euro zur Ergreifung des Täters soll ein weiteres Zeichen des Beistandes und der Unterstützung für die Betroffene sein. Das Vorgehen des Briefeschreibers widerspreche dem christlichen Geist. „Als Seelsorger fürchte ich um sein/ihr Seelenheil“, schreibt der Pfarrdechant in einem Appell bezogen auf den Anonymus.

Pfarrfusion schon 2010 vollzogen

Das Bistum Münster hat das am Freitag (27.03.2020) zum Anlass genommen, den Fall weiter in eine größere Öffentlichkeit zu tragen. Dabei betont es, dass der Zusammenschluss im Jahr 2010 auf Anordnung des Bistums erfolgte. Er sei von den Gremien vor Ort nicht zu verhindern gewesen, sagte Bistumssprecher Stephan Kronenburg dem WDR. Die bedrohte Frau hatte ihr kirchliches Ehrenamt übrigens schon drei Jahre vor der tatsächlichen Fusion entnervt aufgegeben.

Polizeiermittlungen ohne Erfolg

Von Seiten der Kreispolizei Warendorf heißt es zu dem Fall, dass bisher alle Ermittlungsversuche nach verschiedenen Hinweisen in den vergangenen Jahren erfolglos geblieben seien. Auch nach den letzten beiden Anzeigen im Februar seien an den Drohbriefen keine Täterspuren gefunden worden. Derzeit gebe es keinen neuen Ermittlungsansatz. Der könnte sich nun natürlich ergeben, wenn es aufgrund der ausgeschriebenen Belohnung neue Hinweise ergäben.

Stand: 27.03.2020, 16:45