Modell für künftigen ÖPNV im Münsterland

Zwei Männer an einer Straße mit Fahrrädern, E-Rollern und einem Auto.

Modell für künftigen ÖPNV im Münsterland

Von Markus Holtrichter

Die Alternativen zum eigenen Auto sollen klimafreundlich, bequem und gut vernetzt sein. In Senden können Bürgerinnen und Bürger jetzt modellhaft erproben, wie die Mobilität auf dem Lande künftig aussehen wird, und dabei mitbestimmen.

Ein zukunftsträchtiger, moderner ÖPNV ist das ferne Ziel der Politik im Münsterland und das "Kommit"-Shuttle könnte ein Baustein dazu sein. Es ist ein umfunktioniertes London-Taxi mit Elektro-Antrieb. Ab sofort kann das Mobil per App zu echten oder virtuellen Haltestellen in Senden angefordert werden.

Ein Mann steigt über eine Rampe in einen Bulli.

Der "Kommit"-Shuttle soll den ÖPNV attraktiv machen

Es soll eine Lücke schließen, quasi von der eigenen Wohnung zum Schnellbus, zur Mobilstation mit Sharing-Lösungen oder auch zum Park & Ride in Münster. In der Pilotphase bis Jahresende fahren die Sendener hiermit tagsüber kostenlos.

Mobilstation als Modellprojekt

Das Shuttle, dem bald ein zweites folgen soll, ist jedoch nur ein kleiner Teil des sogenannten Bürgerlabors Mobiles Münsterland. Dazu gehören zum Beispiel auch besondere Mobilstationen. Ein Modul einer Muster-Mobilstation steht derzeit zur Ansicht vor dem Sendener Rathaus.

Ein Mann mittleren Alters mit Brille bedient per Touchscreen einen Bildschirm.

Nutzer können sich an Bildschirmen informieren

Auf großen Multimediabildschirmen können Nutzer sich informieren, wie sie möglichst einfach von A nach B kommen, ohne dass sie hierfür ein eigenes Auto bräuchten. Hierzu können sie beispielsweise E-Scooter leihen. Ein Sharing-Angebot für E-Bikes und Elektroautos soll folgen.

Wäscheservice beim Umstieg?

Die Mobilstation soll aber künftig nicht nur einen trockenen Aufenthaltsraum mit W-LAN und Info-Tafeln bieten. Es könnte auch zusätzlichen Service geben, wie beispielsweise eine Packstation, einen Kaffeeautomaten, einen Wäscheservice oder auch Fahrradgaragen.

Hier kommen Bedarfsermittlung und Mitbestimmung ins Spiel. Die Menschen in Senden können digital oder auch auf Papier ankreuzen, was ihnen wichtig wäre, um eine solche Station für sie attraktiv zu machen.

Schnellbusse für Pendler

All diese individuellen Mobilitäts- und Service-Angebote werden beim "Bürgerlabor" mit dem ÖPNV vernetzt. Bereits im vergangenen Jahr ist die neue Schnellbuslinie X90 von Olfen über Senden nach Münster gestartet. Im Oktober soll die Mobilsstation vom Rathaus zu einem verkehrsgünstigen Kreisverkehr wechseln, um realer Umstiegspunkt zu dieser Schnellbuslinie zu werden.

Wo es keine gute Zuganbindung gibt, sollen Pendler künftig mit optimierten Schnellbuslinien wie dieser in etwa so schnell zum Arbeitsplatz kommen, wie mit dem eigenen Auto. In Zukunft könnte es mehr solcher Angebote im Münsterland geben.

Land unterstützt Ideen

"Unser gemeinsames Ziel ist es, die Verkehrswende voranzubringen", heißt es von den Partnern des "Bürgerlabors". Die Fördergelder von rund 7 Millionen Euro für das aktuelle Projekt hat der Kreis Coesfeld erfolgreich beantragt. Aber auch die Regionalverkehrsgesellschaft RVM und Verkehrsverbände sind mit im Boot.

Bei der wissenschaftlichen Auswertung hilft unter anderem die RWTH Aachen. Welche Ideen letztlich umgesetzt werden, wird sich aber frühestens im kommenden Jahr entscheiden. 

Stand: 19.08.2021, 17:56