Alte Krankenakten frei zugänglich - Datenskandal in Büren

Alte Krankenakten frei zugänglich - Datenskandal in Büren

Von Markus Rinke

  • Tausende Krankenakten offen zugänglich
  • Youtuber behauptet: Haus war nicht abgeschlossen
  • Stadt Büren ergreift Sofortmaßnahmen

Mehrere Männer gehen mit Taschenlampen in ein leerstehendes Krankenhaus in Büren (Kreis Paderborn). Kurze Zeit später sind sie in einem Kellerraum, voll mit Patientenakten.

So beginnt das Video des Youtuber Marvin. Es wurde inzwischen weit über 100.000 Mal geklickt, seitdem es am Freitag (29.05.2020) auf YouTube eingestellt worden ist.

Zu sehen ist, wie der junge Filmer mit zwei weiteren Männern in den Unterlagen liest und daraus sogar zitiert. Riesige Schränke mit Akten und Regalen, darunter auch Röntgenbilder, sind zu sehen. Sie sind nicht abgeschlossen und frei zugänglich.

Vorwurf: Sicherheitsdienst sei nicht zuverlässig

Im Video erklären die Youtuber, dass es einen Wachdienst gebe, der die ehemalige Klinik kontrolliere. "Der Sicherheitsdienst läuft hier rum, der hat sich aber auch nur um sein Handy gekümmert", kommentiert ein Mann, der mit im Gebäude ist.

Patientenakten im ehemaligen Krankenhaus in Büren

Patientenakten im ehemaligen Krankenhaus

Der Youtuber Marvin behauptet außerdem, dass das Gebäude nicht abgeschlossen gewesen sei. Im Gespräch mit dem WDR konkretisiert der Youtuber die Vorwürfe und sagt, dass eine Tür schon vor Wochen offen gestanden habe. Er sei erst durch eine Bürenerin auf das Thema hingewiesen und später sogar noch mal daran erinnert worden.

Gelände stärker gesichert

Dass die Akten ungeschützt herumlägen, findet der Bürener Bürgermeister Burkhard Schwuchow (CDU) beängstigend. Erste Folge des Videos: Die Stadt kontrolliert jetzt das Gelände zusätzlich und hat das Gebäude gesichert. Dabei betont Schwuchow, dass die Verantwortung eigentlich in anderen Händen liege.

Betreiber ging vor zehn Jahren in die Insolvenz

ehemaliges Sankt-Nikolaus-Krankenhaus Büren

Das Gebäude wurde zusätzlich gesichert

Das Gebäude gehört einer Tochterfirma der Marseille Kliniken AG mit Sitz in Hamburg, die bis 2010 mit einer anderen Tochtergesellschaft das Krankenhaus geführt hatte. Auf WDR-Anfrage weisen die Marseille Kliniken aber alle Vorwürfe zurück: Nach der Pleite der Betreibergesellschaft sei der Insolvenzverwalter verantwortlich. Die damals zuständige Anwaltskanzlei war bisher am Pfingstwochenende nicht zu erreichen.

Patientenakten 30 Jahre aufbewahren

Der Bürener Fall sorgt für Aufsehen, nicht nur bei den Beteiligten. Der Geschäftsführer des Sankt Franziskus Hospitals in Bielefeld, Dr. Georg Rüter, kann nur mit dem Kopf schütteln. Akten von Patienten müssten 30 Jahre lang nach Ende der Behandlung sicher aufbewahrt werden.

Rüter spart auch nicht mit weiterer Kritik: "Unseriöse Unternehmensführung würde ich sagen, oder aber wirtschaftliches Chaos. Wahrscheinlich hat der letzte Betreiber nicht einmal das Geld gehabt ordentlich aufzuräumen."

Ab Dienstag (02.06.2020) will die Stadt Büren eine Lösung finden, wie die Akten gesichert werden und gleichzeitig für Patienten verfügbar bleiben können.

Strafanzeige und Ermittlungen der Polizei

Gleichzeitig will die Stadt Büren aber gegen den Youtuber vorgehen. "Es ist eine Strafanzeige von Amts wegen gestellt worden, der wir uns ausdrücklich anschließen", erklärt Schwuchow. Es sei gut, die Missstände aufzudecken, aber über Social Media die ganz Welt einzuladen, die Sachen anzugucken, sei nicht in Ordnung. Marvin nimmt es gelassen.

Stand: 31.05.2020, 20:00