Obdachlose verlieren Unterschlupf am Paderborner Dom

Obdachlose verlieren Unterschlupf am Paderborner Dom

Von Mareike Zeck

  • Hauptportal des Paderborner Doms wird nachts mit Gitter abgesperrt
  • Kein Zugang mehr für Obdachlose
  • Kirche will Vandalismus verhindern

Im Schutze des Haupteingangs des Paderborner Doms können ab heute keine Obdachlosen mehr übernachten. Die Kirche installiert vor dem sogenannten Paradies-Portal ein Gitter, das abends verschlossen und erst am Morgen wieder geöffnet werden soll.

Der Tageszeitung "Neue Westfälische" hatte ein Sprecher des Erzbistums Paderborn dazu erklärt, einige Gottesdienstbesucher hätten sich unwohl gefühlt, beim Betreten der Kirche an Obdachlosen vorbei zu gehen. Außerdem hätten die Obdachlosen den Eingangsbereich stark verschmutzt hinterlassen.

Erzbistum: Gitter ist Schutz vor Vandalismus

Auf Nachfrage des WDR betont die Kirche nun aber: Das Gitter werde nicht wegen der Obdachlosen installiert, sondern um das Portal allgemein vor Vandalismus zu schützen. Die Obdachlosen verweist sie an die – unter anderem kirchlich geprägten – Paderborner Vereine, die Unterkünfte bereitstellen.

Das Paradies-Portal ist in den vergangenen Jahren saniert worden. Dort hängen jetzt hochwertige Bildschirme und frisch restaurierte Heiligenfiguren. Das Gitter sei von Anfang an Teil der Renovierungspläne gewesen, sagt das Erzbistum.

Kritik von Paderborner Obdachlosenhilfe

Die Paderborner Obdachlosenhilfe KIM - Soziale Arbeit e.V. findet die Nachricht, dass die Kirche Obdachlosen einen Schutzraum nimmt, eine Peinlichkeit. Die Kirche solle ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und den Obdachlosen für den verlorenen Unterschlupft eine Alternative anbieten.

Wie viele Obdachlose das Paradiesportal regelmäßig als Unterschlupf für die Nacht genutzt haben, ist unklar. Der Katholische Verein für soziale Dienste spricht von nur einer Person, die KIM von fünf bis sechs Personen, die dort vor allem im Sommer übernachtet haben sollen.

Obdachlos – und kein Weg zurück? Planet Wissen 10.10.2019 58:55 Min. Verfügbar bis 10.10.2024 SWR

Stand: 12.11.2019, 16:33