Tornado verwüstet Straßenzüge in Paderborn: Anwohner sind geschockt

Stand: 22.05.2022, 20:02 Uhr

Ein Tornado hat in Paderborn eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Aufräumarbeiten laufen, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft sind groß.

Der Krisenstab der Stadt hat nach der Katstrophe viel zu organisieren: Trümmer müssen von umliegenden Feldern eingesammelt, entwurzelte Bäume zersägt und Müll eingesammelt werden. Die Einsätze der zahlreichen freiwilligen Helfer werden mittlerweile von der Feuerwehr koordiniert - allein am Samstag waren es über 40. Es herrscht generell große Hilfsbereitschaft in Paderborn, Schützenvereine verteilen beispielsweise Getränke. In den nächsten Tagen wird die Stadt den Müll und die Trümmer, die die Helfer an den Straßenrändern gesammelt haben, abtransportieren.

Notfallseelsorger im Einsatz

Was bleiben wird, ist der Schock. Paderborns Bürgermeister Michael Dreier zieht entsetzt Bilanz, wenn er über das Paderquellgebiet spricht: "Die grüne Lunge der Stadt ist zerstört." Sechs Notfallseelsorger haben in der Stadt ihre Arbeit aufgenommen. Schon kurz nach dem Tornado am Freitag war klar, wie stark die Menschen betroffen, geschockt sind.

Dachpfannen fehlen auf den Dächern in der Stadt, Autos sind durch umgestürzte Bäume zerstört - die Menschen in Paderborn sind nach dem Tornado von Freitagnachmittag fassungslos, so wie Cord Wittenborg: "Es ist apokalyptisch. An manchen Stellen sieht es aus wie kurz vor einem Weltuntergang. Die Intensität der Unwetter machen einen nachdenklich."

Ein Polizist wurde von einem Tornado erfasst

Tornado entwurzelt Bäume

Enorme Zerstörungskraft: Der Tornado hat Bäume entwurzelt.

Insgesamt gibt es mehr als 40 Verletzte, darunter auch ein Polizist, der von dem Tornado erfasst wurde, wie Ulrich Ettler, leitender Polizeidirektor in Paderborn, weiß: "Der Kollege war gerade bei einer Unfallaufnahme auf der Straße, als plötzlich der Tornado über ihn hinwegzog, er ist erfasst worden und mehrere Meter rollend über den Asphalt getrieben worden." Die Verletzungen mussten ärztlich behandelt werden.

Einige Anwohner leben in Hotels

Ein Paderborner Restaurant nach Tornado

Ein Paderborner Restaurant nach dem Tornado.

Einige Menschen können nicht zurück in ihre Wohnungen, zu groß ist die Verwüstung. Sie sind in Hotels untergebracht. Dass ein Tornado innerhalb weniger Minuten eine Schneise der Verwüstung anrichten konnte, macht auch eine Frau, die unsere WDR-Reporter getroffen haben, fassungslos. "Mir geht es ganz schlecht, ich könnte nur noch heulen. Ich sehe, dass wir diesen Planeten für unsere Kinder unbewohnbar machen. Ich bin solche Bilder gewohnt, aber es berührt mich hier in Paderborn. Vielleicht werden wir jetzt wach, zumindest die Paderborner."

Unwetter in NRW - Bilder aus dem Land

Am Freitag sind erneut Unwetter über NRW gezogen. Tornados richteten heftige Schäden an. Besonders stark hat es Paderborn und Lippstadt getroffen. Aber nicht nur.

20.05.2022, Nordrhein-Westfalen, Paderborn: Ein durch das Unwetter beschädigtes Haus

An mehreren Orten in NRW gab es am Freitag Tornados. Und Schäden - wie hier in Paderborn.

An mehreren Orten in NRW gab es am Freitag Tornados. Und Schäden - wie hier in Paderborn.

Teils gab es einfach nur Chaos.

Und teils gab es immense Schäden, wie auf dieser Baustelle in Paderborn.

Der Tornado hat direkt in der Innenstadt gewütet. Nach Sekunden waren Bäume entwurzelt.

Der Samstag stand in Paderborn ganz im Zeichen der Aufräumarbeiten.

In Lippstadt stürzte durch einen Tornado ein Baum auf ein Haus. Im Lippstadter Freizeitbad Cabrioli wurden zeitweise etwa 120 Badegäste eingeschlossen, weil umgestürzte Bäume den Eingang blockierten.

Eine Bank wurde, wie viele weitere Gebäude, beschädigt. Erste Schätzungen gehen von Schäden im Millionenbereich aus.

Beschädigt wurden oft auch Dächer - wie ebenfalls hier in Lippstadt.

Als hätte er kein Gewicht: ein umgepusteter Altkleidercontainer in Lippstadt.

Und wenn die Wurzeln auch noch so massiv waren, sie schienen dem Tornado nicht standhalten zu können.

Das zeigte sich in Lippstadt auch vor dem Rathaus.

Auch im Kreis Warendorf hat der Sturm schwere Schäden angerichtet. An einem Hof in Wadersloh wurde das Dach komplett abgedeckt. Einige ältere Gebäude stürzten ein.

Umgestürzte Bäume auch in Lünen.

In Düsseldorf wurde die B7 überflutet.

Der ADAC rät Fahrern, langsam durch solche Wassermassen zu fahren. Ansonsten drohen Aquaplaning und Motorschäden.

Andernorts sah es ebenfalls ungemütlich aus - wenn auch nicht verheerend. In Essen regnete es kräftig.

Und dann gab es wiederum Teile in NRW, die gar nicht betroffen waren. In Witten beispielsweise meldeten die Feuerwehr schon am frühen Abend, dass man wieder in den normalen Betrieb gehen könne.

Anders sah es in Höxter aus. Dort stürzte durch das Unwetter ein Baum um.

Zudem sorgte der Tornado für massive Schäden an einem Hausdach in Höxter.

Das ganze Ausmaß der Schäden zeigte sich nicht zuletzt am Rande einer Straße in Höxter.

Hubschrauber bewertet die Lage von oben

Ein Polizeihubschrauber ist seit Samstagmittag im Einsatz, um die aktuelle Lage im betroffenen Gebiet besser beurteilen zu können. Denn die Gefahrenlage ist noch nicht vorbei. Experten des Technischen Hilfswerks beurteilten die Schäden an den Gebäuden und prüften, ob Einsatzkräfte wie die Feuerwehr überhaupt betroffene Häuser betreten dürfen.